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Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Wenn jemand eine Reise macht, dann hat er was zu erzählen.

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Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon LostTime » 05.08.2008, 03:40

Vor 2 Wochen war ich eine Woche in Essen, bei kisslab. Meine Hauptintentionen war es, die Schwerindustrie im Ruhrgebiet und das Phantasialand in Brühl zu besuchen - Das wurden jedoch nicht die Hauptattraktionen. Da diese 6 Tage, die kissi mir ermöglichte, wirklich etwas ganz Besonderes waren, möchte ich darüber einen kleinen Reisebericht schreiben, damit ihr auch etwas habt.

Die Charaktere
Damit ihr wisst, von wem ich in meinen Erzählungen spreche, hab ich hier mal eine kleine Übersicht über die erwähnten Charaktere und (neuen) Freunde erstellt:

Bild

kisslab: ja, DER kisslab hier ausm Forum, mal ein aktuelles Bild
Losti: Exakt, das bin ich!
Sascha, Dodo & Daisy: Gute Freunde von kisslab, die ich in den 6 Tagen auch "in mein Herz geschlossen" habe (gibts da auch nen harmloseren Begriff für?)
Lars: Auch ein neu gewonnener Freund für mich, ein Freund von kisslab und insgesamt ein Fall für sich. Ich werd über ihn im Text noch was schreiben.
Allesamt natürlich schwul, ich war die einzige Hete (der einzige Normalsexuelle :P ) unter den Jungs

Kapitel 1: DB - Ein Abenteuer
Ursprünglich wollte kisslab mich ja von Zuhause (nahe Hannover) abholen, da er wohl passend in Bremen gewesen wäre und mich auf dem Rückweg hätte mitnehmen können. Leider war sein Bremen-Aufenthalt eine Woche früher, wodurch meine An- und Abreise mit der Deutschen Bahn erfolgten. Klingt unkompliziert, aber wer die Automaten der Deutschen Bahn kennt, weiss, dass das schnell zum Abenteuer ausufern kann.
Ich hätte die Bahntickets auch online erwerben können, allerdings hätte ich dafür eine Kreditkarte benötigt, welche ich nicht besitze. Eine Genehmigung für den Bankeinzug hätte eine schriftliche Anfrage per Post und ein paar Tage gekostet. Also beging ich den Fehler und habe die Karten am Automaten im Hannover Hbf erworben.
Ratet mal, wie lange man braucht, um dort ein Bahnticket von Hannover nach Essen und zurück zu kaufen. 5 Minuten? 10 Minuten? Weit verfehlt! Ich habe geschlagene 20 Minuten und 2 Anläufe gebraucht!
Nachdem ich mir die Route über den Touchscreen, der wohl etwas berührungsunempfindlich war, zusammengeklickt hatte, wollte ich bezahlen. Ich trug 2 50€-Noten bei mir, nicht mehr und nicht weniger. Bei einem Gesamtpreis von 58€ (2x Dauerspezial) sollte das ja wohl mehr als genug sein - Es war zu viel...
Den ersten Schein nahm der Automat noch, für den 2. hatte er jedoch zu wenig Wechselgeld (Vielen Dank für zu kleine Wechselgeldbestände an Höft&Wessel an dieser Stelle). Also alle Eingaben so gelassen (man glaubt ja an das Gute im Menschen und etwas Mitleid) und nach jemandem gesucht, der den Schein klein machen kann. Am anderen Ende des Hauptbahnhofes fand ich dann eine kleine Wechselstube, die den Schein anstandslos (!) wechselte. Zurück beim Automaten waren natürlich alle Eingaben gelöscht worden, lediglich ein "Vielen Dank für Ihren Einkauf"-Bildschirm starrte mich an - Na toll. Also alles noch einmal zusammengetippt und 60€ in Scheinen in den Automaten gestopft. Nach schredderähnlichen Geräuschen spuckte der Automat das Wechselgeld - 2€ - in möglichst kleinen Münzen aus.
Stolz halte ich eine Fahrkarte und 2 Reisepläne, die mir den genauen Verlauf der Route verraten, in der Hand.

Nach dem Kauf hatte ich noch 9 Tage Zeit, mich mental auf den Besuch vorzubereiten. Im Chat machte kisslab schon Andeutungen von irgendwelchen Überraschungen und Planungen - ich hatte Angst!

Kapitel 2: Mo, 21.07.08 - Anreise und Erkundungstour
Die Anreise mit der Bahn erfolgte unkompliziert und stressfrei - erstaunlicher Weise.
Die Fahrtzeit betrug 2:30 Stunden + 20 Minuten Aufenthalt in Minden (Westf).
Also etwa 3 Stunden unterwegs und einmal Umsteigen. Eine Route mit ICE wollte mir der Automat ja nicht ausspucken.
Während der Fahrt genoss ich die Aussicht... Auch wenns eigentlich nichts zu sehen gab.
Wir hatten ausgemacht, dass wir uns am "Ausgang zu Freiheit" (Mit meiner nicht ernst gemeinten Angst und kissis Andeutungen empfand ich das eher ironisch) treffen.
Also trottete ich durch den Bahnhof und überlegte, welches Auto kisslab doch gleich hatte... Auf den Toyota Aygo kam ich erst später, nachdem ich von hinten angesprochen wurde. Er wars! Nicht ganz, wie ich ihn in Erinnerung hatte, die Brille fehlte. Und da man Kontaktlinsen nicht sieht, habe ich ihn auch nicht auf den ersten Blick erkannt, aber kissis Grinsen ist unverkennbar.
Auf der 10minütigen Fahrt zeigte mir kissi dann schon einmal wichtige Gebäude (Hier äh, das Dingens, na sag schon.. ist ja auch nicht so wichtig) Essens und auch das regnerische Wetter (Dabei war ich mir sicher, dass meine Bahn nicht nach London fuhr) lernte ich kennen.
Zuhause hatte ich dann die Möglichkeit, mich kurz auszuruhen, was zu trinken (tat ich aber glaub ich nicht) und aufs Klo zu gehen. Dann lud mich kisslab auch schon auf eine kleine Erkundungstour durch weitere Stadtteile und Orte in der Nähe ein, ich willigte ein und sah unter anderem die Zeche Zollverein Essen. Die Zeche ist ein Weltkulturerbe der Industriekultur und ein stillgelegtes Steinkohlebergwerg.
An weitere Punkte der Tour kann ich mich nicht erinnern, nur dass die Villa Hügel nicht befahrbar war.

Am frühen Abend gabs dann Abendbrot bei kissis Eltern, die nur eine Wohnung weiter wohnen. Kisslabs Mutter ist eine wirklich gute Köchin, auch wenn sie meist sehr scharf würzt, was mich jedoch nicht weiter stört.
Viel mehr passierte dann auch nicht, wir saßen gemeinsam im Bett, haben Bier getrunken und Filme geguckt (Kentucky Fried Movie ist ja dermaßen bescheuert).

Kapitel 3: Di, 22.07.08 - Bergbaumuseum Bochum und Gasometer Oberhausen
Früh aufstehen war ja noch nie meine Stärke, kissis praktischerweise auch nicht.
Irgendwann gegen Mittag quälten wir uns aus dem Bett, frühstückten und machten uns für die erste Besichtigung der Schwerindustrie bereit.
Das Bergbaumuseum in Bochum ist - wie sollte es anders sein - ein stillgelegtes Bergwerk, das liebevoll und detailgetreu für Besucher aufbereitet wurde. In einem alten Stollen kann man sich die alten Maschinen und Geräte anschauen und sich von "Laberkästen" etwas zur Technik erklären lassen. In den alten Räumen über Tage befindet sich das klassische Museum mit vielen Ausstellungsstücken und Modellen über den Bergbau von der Steinzeit bis heute.
Nach diesem schon sehr interessanten Beitrag fuhren wir nach Oberhausen, zum Gasometer.
Das Gasometer ist ein 120m hoher Turm mit 70m Durchmesser. Im Inneren befand sich eine bewegliche Scheibe, die je nach Gasvolumen hoch oder runter schwebte und für einen gleichmäßigen Gasdruck auf den Leitungen sorgte. Heutzutage ist das Gasometer ein Ausstellungsort, in dem Regelmäßig neue Ausstellungen gezeigt werden.
Von außen sieht das Gasometer zwar unscheinbar aus, aber das Innenleben ist umwerfend!
Die bewegliche Scheibe ist auf einer Höhe von etwa 2 Metern befestigt und ermöglicht durch eine Öffnung einen Blick in den gesamten Hohlraum des Gasometers.
in dem Gasometer ist des vollkommen Dunkel, lediglich ein Oberlicht an der Decke und eine Aufwendige Lichtinstallation an den Wänden, durch die sich die Größe erahnen lässt.
Wenn man im Inneren steht sieht man nichts als Leere, es ist ein unbeschreiblicher Anblick, den ich auch auf den Fotos nicht einfangen konnte.
Mit einem gläsernen Aufzug (der kissi wohl nicht ganz so gefiel), konnte man auf ein Plateau fahren, von dem aus man nach draußen kommt. Einige Höhenmeter muss man noch mit einer Treppe überwinden, dann kann man die einzigartige Aussicht vom 120m hohen Gasometer genießen.
Runter wollte mein Körper dann blöderweise schneller als ich und ich bin einige Treppenstufen aus- und runtergerutscht (Kissi konnte mich bremsen und Schlimmeres verhindern).
Diese einzigartigen Ansichten und Ausblicke konnten eigentlich kaum getoppt werden, was sie an dem Abend (leider) auch nicht wurden.

An diesem Abend hatte kisslab wohl das "LÜS", wie er es nannte, mit mir vor. Wenn man nach LÜS googlet, findet man Einträge zu Syphilis, nicht gerade vertrauenserweckend, jedoch erklärte mir kissi bereits im Voraus, dass LÜS für "Losti-Überraschungs-Special" stünde - Puhh.. und ich dachte schon.
Ein paar Autominuten von kisslabs Wohnung entfernt wohnen Sascha und Daisy (ein paar Tage noch oder seit ein paar Tagen nicht mehr - Ich weiß es nicht mehr) in einer Wohnung. Und da hatte ich dann auch das erste Mal meine Begegnung der dritten Art:
Schwuppen! An kissi hatte ich mich ja gewöhnt, aber mit gleich Dreien davon im Auto um den 4., Dodo, abzuholen, war echt zu viel! (Natürlich wars nicht schlimm, ich fands lustig und habe meine Angst eher scherzhaft gemeint).
Allesamt fuhren wir dann nach Duisburg, zu Lars G. (G-Punkt, auch ne klasse Abkürzung), der von den Jungs nur "Thompson" genannt wird. Bei dem Namen dachte ich mir noch nicht viel. Klingt für nen Spitznamen zwar eher untypisch und lässt auch nicht wirklich auf den eigentlichen Namen schließen, aber Daisy heißt ja schließlich eigentlich auch Norbert.
Also machte ich mir über den Namen keine weiteren Gedanken - Ein Fehler, wie sich später heraus stellen wird.
Naja, jedenfalls war Lars nicht zuhause anzutreffen und ein weiterer Freund war auch irgendwie nicht erreichbar, somit schoben wir mit den 3 Flaschen Prosecco wieder ab und haben die dann halt in Kissis Wohnung geleert.
Während kissi dann Daisy, Sascha und Dodo nach hause brachte, hab ich ein wenig aufgeräumt (eigentlich untypisch für mich, aber irgendwie.. naja). Zum Abschluss durfte ich mir von kissi dann noch ein Zitat von einem der Jungs (Wahrscheinlich Daisy, der is Frisör) anhören: "Ist ja eigentlich nen ganz netter Typ, aber die Haaare!" (Gut, das ich nicht dabei war).

Kapitel 4: Mi, 23.07.08 - Phantasialand - Von Feldwegen und Schlangen
Über den 3. Tag kann man eigentlich nicht viel berichten, lediglich folgende Punkte:
1.) Kissis Wecker ist ähnlich zu Spongebobs Nebelhorn-Wecker.. LAUT!
2.) 5 Leute passen gerade eben in einen Kleinwagen
3.) Bei der Autobahnausfahrt zum Phantasialand gabs nen Stau, kissis Navi führte uns jedoch eine Ausfahrt weiter durch ein Dorf. Über einen Feldweg, dessen Befahren eigentlich verboten ist, kamen wird direkt und staufrei zum Parkplatz
4.) Ersatzbeine einpacken! Schon am Eingang standen wir etwa 20 Minuten, nach 30 Minuten Wartezeit waren wir endlich drin.
5.) Die Achterbahnen und Themenbahnen im Phantasialand sind klasse! Da lohnte sich teilweise auch das einstündige Anstehen
6.) Selbst am Ausgang kann man anstehen
7.) hinterher ist man müüüüde
Naja, die Nacht hab ich zwar gut geschlafen, aber wohl schlecht geträumt. Ich hab geträumt, dass kisslab, der ja neben mir lag, irgendwo runterfallen würde. Also hab ich panisch mein Arm um ihn geworfen und ihn festgehalten. Irgendwann wurde ich dann wach und hab einfach nur noch meinen Arm mit dem Wort "Verdammt" zurückgezogen.

Kapitel 5: Do, 24.07.08 - Grugabad - Wellenbad und Sonnenbrand
In einer Reportage auf N24 habe ich einmal etwas über das Grugabad in Essen erfahren. Ein Freibad mit dem wohl größten Wellenbecken (50x40m) Europas - Da wollte ich mal hin!
Also wer mal in Essen ist und etwas Zeit hat, sollte auf jeden Fall mal in Grugabad, die Becken sind riesig groß und schön. Zwar stören teilweise die doch baufälligen Gebäude, aber die sind ja nicht im Wasser.
Alle halbe Stunde legt die Wellenmaschine im Wellenbad für 10 Minuten los und erzeugt in dem von 0-220cm tiefen Becken doch beachtliche Wellen von gut einem Meter Höhe, die eine ordentliche Wucht haben.
Für mich war es das erste mal in einem Wellenbad und so ahnte ich noch nicht, welche Kraft die Wellen haben können und wurde beim ersten Mal kräftig durchgerührt und mit Wasser vollgepumpt. Im seichteren Wasser bekommen die Wellen dann ihren typischen Kamm und man kann sich auf den Grund setzen und wird mit jeder Welle ein paar Zentimeter höher gedrückt. Nur der Antirutschboden im niedrigen Wasser tat irgendwie dabei weh.
Da an diesem Tag das Wetter herrlich war (Montag und Dienstag hat es geregnet, Mittwoch wars immerhin trocken), nutzen wir auch die Gelegenheit und zu sonnen. Jedoch beging ich den schwerwiegenden Fehler und cremte mich nicht ein. Ich hab mir an dem Tag einen Sonnenbrand geholt der erst vor 2 Tagen komplett abgeheilt ist. Auf den Schultern hat er Blasen geworfen, das Tragen von T-Shirts war nahezu unmöglich und nur Cortison und Aspirin ließen mich nachts schlafen. Schützt eure Haut! Es ist nicht schön!!!

Kapitel 6: Do, 24.07.08 - Von Käse und Kunst
Am späten Abend gings dann wieder zu Lars, alias "Thompson" um noch mal einen 2 Versuch des "LÜS" zu starten. Also holten wir auf dem Weg noch Daisy und Sascha ab, Dodo war wieder zuhaue in Dortmund) und führen nach Duisburg zu Lars.
Dieses Mal haben wir ihn auch angetroffen, ein Haus weiter bei seinen Eltern.
Lars ist ein wirklich netter und offener Mensch, fast ein Grund auch schwul zu werden *lach*, er ist mit 1,96m zwar groß, aber geahnt habe ich noch nichts von seinem 2. Ich.
Gemeinsam gingen wir dann in Lars Haus, wo auf dem Küchentisch runde, gelbe und weisse, dreieckige Schwämme lagen. Mein erster Gedanke (ich erkannte die Schwämme nicht sofort) war: "Käse? Was macht der mit so vielen Käselaiben?!", dann entdeckte ich Pinsel und Tuschkästen daneben, mein 2. Gedanke: "Bemalt der in seiner Freizeit etwa Plastikkäse möglichst naturgetreu?! Komische Hobbies haben manche Menschen...".
Im Wohnzimmer dann ein großer Spiegel, einiges Chaos, Bilder von übertrieben geschminkten Personen an den Wänden und High Heels auf dem Boden.
Mir dämmerte es und ich verstand, warum Lars auch Thompson genannt wird..
Lars ist Travestiekünstler, der unter dem Namen Danielle Thompson unterwegs ist, und kisslab hat als LÜS organisiert, dass ich heut mal dran bin - AHHHHHHH!!!

Und ja, so wars dann auch, ich durfte in der Küche Platz nehmen, während sich Sascha, kissi und Daisy einen Fussball-Film ansahen, der anscheinend nicht von Fussball handelte.. und das Stöhnen der Männer (nur Männer) klang nicht wirklich nach Verletzungen.
Da ich ja - wie man auf dem Portrait oben sieht - lange Haare habe, hat Lars sie mir "hochgeschneckelt", also aufgewickelt und fixiert, wie man auf den Fotos sieht. Und dann wurde ich geschminkt, erst eine Grundierung, die zu meinem sonnenbrandverwöhnten Teint passt, dann die Augen, die Lippen und mindestens 3m lange künstliche Augenbrauen, ich konnte kaum noch gucken. Meine Brusthaare hat mir Lars auch noch mit nem Rasiermesser weggehobelt.. na toll.
Danach gings dann an erste Kleidungsstücke, nichtsahnend zog mir Lars mit Schwung die Unterhose in die Ritze und half mir dabei, 2 Strumpfhosen übereinander (wegen den Haaren an den Beinen? Ich muss ihn da noch mal fragen, warum) anzuziehen.
Da ich überall einen Sonnenbrand hatte, fühlte sich das nicht grad schön an, aber ich habs überlebt.
Für die Taille wurde ich dann von Lars in ein Korsett geschnürt - keuch..
Ich weiss ja, dass ich leichtes Übergewicht habe und entsprechend leichte Brüste habe, aber brauch ich deswegen gleich nen BH? Aber ich verstand recht schnell, in dem BH sind bereits vollwertige Schaumstoffbrüste eingenäht, um meine Brust noch weiter auszubauen - Ich hab Brüste.. irgendwie *rrrrrr*
Auch eine Neuerung für mich: Travestiekünstler (nicht zu verwechseln mit Transvestiten oder Transsexuellen), ziehen alles von unten an, also egal ob BH oder Kleid, sie steigen oben ein. Und so durfte ich dann auch das erste Mal in meinem Leben ein Kleid anziehen. Die Pailletten an den Schultern reizten zwar anfangs die verbrannte Haut aber dann gings.
Da wohl seine Perückensammlung nichts wirklich passendes für mich bot, durfte ich sein Heiligtum, seine Showperücke mit der lasziven Strähne aufsetzen/anziehen/benutzen/whatever.
Noch immer durfte ich mich nicht im Spiegel sehen, ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie ich aussah.
Zwar sind es von der Küche bis zum Spiegel nur etwa 5m gewesen, für mich war es jedoch ein verdammt harter und langer weg - In Plateau-High Heels mit 17cm Absatz!
Für so was beneide ich euch Frauen überhaupt nicht, auch wenns wieder ne interessante Erfahrung war. Also stokelte ich von 3 Leuten gehalten rüber ins Wohnzimmer und es war definitiv mein Anblick und nicht die Schuhe, die mich umwarfen!
Ich konnte mich selber nicht wiedererkennen, Wahnsinn, was so ein bisschen Makeup ausmacht!
Mehr schlecht als recht habe ich dann versucht, ein bisschen zu Posen, was bedingt durch die High Heels und meinen Sonnenbrand jedoch kaum möglich war.
Doch dann gab Lars mir glücklicherweise neue Schuhe. Keine High Heels mehr sondern Nuttenstiefel, die Dinger sahen wirklich original nach dem horizontalen Gewerbe aus.
Naja, die waren 2cm niedriger und boten mir auch mehr Halt, so dass ich dann alleine stehen und gehen konnte.
Insgesamt probierte ich wohl 3 oder 4 Kleider aus und war einfach nur beeindruckt.
Dann endlich (ohne Sonnebrand hätte ichs wohl angelassen) raus aus den Klamotten und zurück in die eigene Hose und das eigene T-Shirt.. eine Erlösung. Aber mir war durch den Sonnenbrand (es war wirklich nicht schön damit) war mir tierisch kalt, obwohls in dem Haus wohl recht warm (nicht nur durch die Jungs *g*) war. Auch Lars meinte beim Schminken zu mir, dass es wohl einfacher wäre, wenn ich nicht so zittern würde.
Allerdings stellten wir fest, dass ich nicht einmal eine Perücke gebraucht hätte. Durch das Hochschneckeln blieben meine Haare lockig und Lars hat für weitere Fotos eine Marilyn-Monroe-Frisur draus gezaubert.

Eigentlich sollte ja nur ich verzaubert werden, aber Sascha, Daisy und kissi waren dann auch noch dran. Ich weiss zwar nicht mehr, wessen Idee es war, aber wieder hatten wir ne Menge Spaß!
Was mich wunderte (das 3000x den Abend, dass mich etwas wunderte): Daisy kann in High Heels laufen und er habe wohl selber welche - Was es nicht alles gibt.. ihm hätte ich das nicht zugetraut...
Und kissi sah in seinem Flamencokleid auch einfach nur atemberaubend aus, naja, zumindest atemberaubend komisch *g*
Bis 4 Uhr morgens hat das ganze gedauert und wir haben wohl alle sehr viel gelacht - Es war wirklich ein ganz toller Abend, den ich nie vergessen werde!
Das Abschminken nahm auch noch eine Weile in Anspruch, aber das Abschminköl war immerhin schön kühlend.

Kapitel 7: Fr, 25.07.08 - Landschaftspark Duisburg-Nord und Güterabfertigung Duisburg
Bereits am Dienstag waren wir bereits mit den Jungs dort. Im Landschaftspark Duisburg.
Was erst mal nach Wiese und Primeln klingt, entpuppt sich jedoch als stillgelegter Hochofen, der begehbar gemacht wurde.
Wir hatten das Glück, und konnten noch 2 freie Plätze für eine Fackelführung durch die Ofenanlage ergattern. Ein netter Herr erklärte uns, einer Gruppe von 20 Leuten, wie es vor der Stilllegung irgendwann in den 90ern im Hochofenbetrieb abging. Der Herr war selbst einmal Mitarbeiter in dem Eisenwerk und hat die Betriesabläufe sehr emotional, größtenteils sogar im Präsens (also in der Gegenwartsform, als wäre der Ofen noch in Betrieb) erzählt. Gegen Einbruch der Dunkelheit wurden wir dann mit Fackeln ausgestattet und wurden weiter geführt.
Nach 1:30 Stunden haben kissi und ich uns dann noch zum Strand mitten in der Anlage begeben und was getrunken.

Dann im Auto hat kisslab etwas von einer Spezialführung durch einen Güterbahnhof gesagt.. Was er meinte, hat sich mir erst erschlossen, als wir von den Straßen Duisburgs auf einen Feldweg bogen. Im fahlen Licht des Mondes konnte ich ein riesiges, altes Gebäude erkennen. Ein seit etwa 10 Jahren stillgelegter und verlassener Güterbahnhof, wie ich später erfuhr.
In der Haupthalle war es leer und dunkel. Die Oberlichter waren zu 99% eingeschlagen und die Scherben lagen auf dem Boden. die Natur begann, sich den Grund zurückzuholen, große Sträucher wuchsen auf dem Betonboden. Trotz der Offenheit und der Natur in der Halle hatte man kein Gefühl, draußen zu sein. Auch wenn man die Augen schloss, fühlte es sich wie "drinnen" an, ähnlich in einem Urwaldhaus, irgendwie komisch.
Im Erdgeschoss und den oberen Stockwerken befanden sich verwüstete Büros und Räume.
Im Keller herrschte eine ganz andere Atmosphäre, die auf den Bildern leider durch den Blitz nicht deutlich wird. Wir waren nur mit Taschenlampen da drin. In den riesigen Kellerräumen war es muffig und feucht. Es roch teilweise nach Heizöl oder Kloake...
Es war ein ganz eigenartiges Gefühl.
In Lagerräumen standen alte Regale oder Möbel. In einem fanden wir Schreibmaschinen und sogar einen alten Konzertflügel. Ich hab eine Saite angeschlagen, und der tiefe, durchdringende Ton hat die beklemmende Situation (ich hatte keine Angst, aber komisch wars trotzdem) untermalt, zumal die Saite ewig lang klang (Reim!).
In einem der Räume fanden wir alte Aktenordner mit Unfallmeldungen, ich nahm eine von 1998 mit nach Hause, in der sich ein Mitarbeiter verhoben hat. Wir glauben nicht, dass diese Akten na noch hätten liegen sollen.. es wirkte eher panikartig verlassen als einfach aufgegeben.
Ich kanns nicht weiter beschreiben, schaut euch die Fotos an!

Wieder zuhause zog ich mein T-Shirt aus und stellte zu meinem Ersetzen fest, dass sich auf meinen Schultern teilweise 5cm große Blasen gebildet hatten! Glücklicherweise hatte Kissi Aspirin und Cortison-Salbe in der Hausapotheke.

Kapitel 8: Sa, 26.07.08 - CSD und Stargate
Eigentlich konnte ich meine Arme kaum bewegen, das Tshirt-Gefühl war mörderisch, allerdings war kisslab so lieb und hat mir Cortison-Spray au der Apotheke besorgt... das machte es erträglich.
Also sind wir mit Sascha und Daisy auf den CSD, dem Christopher-Street-Day, der Schwulen-Parade, in Duisburg gegangen. Ich hatte mir da was großen, Loveparadeähnliches vorgestellt. Aber das, was ich sah, taugte ja nicht mal als Neustädter Stadtfest.. eine kleine Bühne und ne Handvoll Infostände.. najaa..
Aber Danielle, also Lars, also sie, also er moderierte teilweise den CSD, er hatte also einen Auftritt und ich hatte die Möglichkeit, Lars einmal bei der Arbeit und in Arbeitskleidung zu erleben. Also er ist wirklich ein total netter Mensch und eine noch nettere Frau *lach*
Viel Los war ansonsten nicht.. also schnell wieder nach Hause und nen bissl rumgehangen.

Nachts war dann die "Abschlussfete" mit den Jungs (Ohne Lars und Dodo) für mich. Wir sind gemeinsam ins Stargate, einem Schwulen-Club/Disco gegangen.
Anfangs wars ganz lustig, ich habe versucht zu tanzen, die Jungs haben sich vor Lachen kaum einbekommen nur Daisy musste ständig seine Hand auf meine Schulter legen, eigentlich nicht das Problem, aaber wegen den Blasen - AHHHHHH..
Naja, die Schmerzen wurden dann heftiger und ich hätte im Prinzip heulen können..
Dann hat Sascha mich auch noch angeschwult, und als ich keine Reaktion zeigte, war für die Jungs wohl klar dass ich definitiv keine Hete sein kann. Doch bin ich, aber einfach nur eine verdammt Tolerante *g*.

Kapitel 9: So, 27.07.08 - Heimreise
Nach dem Mittagessen hab ich dann meinen Koffer gepackt (ich hab mich gewundert, dass das vorher da alles reinpasste), hab mich bei kissis Eltern für die Verpflegung bedankt und mich verabschiedet und kissi hat mich dann zum Bahnhof gebracht...
Beim Abschied hatte ich sogar Pipi in den Augen... ich hatte wirklich eine Schöne Woche.
Die Zugfahrt war wegen der Wärme für meinen Sonnenbrand wieder die Hölle.. naja.. ich war ja selber Schuld.

Kapitel 10: Fazit
Also ich hatte wirklich eine ganz tolle Woche, ich hab einiges der Geschichte des Ruhrgebietes gelernt und mit Daisy, Sascha, Dodo und Lars ganz nette Freunde kennen gelernt!
Nächstes Jahr will ich wieder hin, wenn kissi dann schon wieder bereit ist *G*

Eines fehlt noch.. ich hab im Text ja von Fotos geredet.. Die Fotos könnt ihr in meiner Galerie bewundern:
Zu den Bildern


So, ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und ich habe zur späten Stunde halbwegs leserlich geschrieben, ich freu mich auf eure Kommentare :D

Grüße,
Losti
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon Kinski » 05.08.2008, 18:58

Sehr interessanter Reise- und Erlebnisbericht.

Habe auch schon die Erfahrung gemacht das man mit Schwulen und Lesben ne Mordsgaudi haben kann, bis zu einen bestimmten Punkt halt :D

Was ich nicht ganz verstehe ist folgender Satz

Dann hat Sascha mich auch noch angeschwult, und als ich keine Reaktion zeigte, war für die Jungs wohl klar dass ich definitiv keine Hete sein kann.


Haben sie dich jetzt umgedreht oder nicht :tongue:
Ciao,
Kinski


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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon LostTime » 05.08.2008, 19:03

Nein, Umgedreht haben sie mich nicht, ich war für sie halt "Schwuppe für eine Woche".
Sascha hat mich auch einfach nur homoerotisch angetanzt, mehr nicht. Und ich hab halt stillgehalten :D
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon evalina » 06.08.2008, 12:52

geiler bericht, danke, losti - und du siehst ja richtig rrrrrr aus in fummeln :afro:
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon Jamo » 06.08.2008, 22:07

Wirklich sehr schöner Bericht ;-)
Klingt als hättest du Spaß gehabt :)
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon LostTime » 07.08.2008, 18:05

Jamo hat geschrieben:Wirklich sehr schöner Bericht ;-)
Klingt als hättest du Spaß gehabt :)


Oh ja, ich hatte wirklich viel Spaß, ich hätte (ich kanns eigentlich immer wieder nur betonen) ohne Sonnenbrand noch mehr Spaß gehabt, aber auch so wars schon lustig.

Danke noch Mal an kisslab, der mich so liebevoll die Woche aufgenommen hat :thanks:
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon Naschkatze » 08.08.2008, 15:28

...und mindestens 3m lange künstliche Augenbrauen...

an dieser habe ich doch sehr gestutzt aber anhand der bilder denke ich du meintest die wimpern ...

aber sonst guter bericht ... hat spaß gemacht zu lesen ... und gute bilder haste gemacht (jetzt weiß ich wieder warum ich mich so selten schminke ... viel zu großer aufwand) ich finds nur witzig dass du (wahrscheinlich durch die wimpern) immer die nase nach oben hälst um besser gucken zu können und dadurch siehst du voll eingebildet aus ... aber das korsett steht dir echt gut (also unter dem kleid)
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon Obi Knobi » 10.08.2008, 12:54

Toller Bericht, super Fotos!
Ich hab mich herrlich amüsiert beim Lesen!
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon LostTime » 10.08.2008, 22:18

Ja klar mein ich die Wimpern ;) Die waren echt heftig, was anderes als Schlafzimmerblick war nicht drin
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Re: Essen - Von Schwuppen, Schminke und Schwerindustrie

Beitragvon Gabriel Valant » 03.10.2008, 01:03

Sehr cool, vor allem die "Umwandlungs"-bilder sind sehr interessant.
:D
Wer viel heult, muss weniger pissen!
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