von Agnostiker » 18.09.2005, 18:04
Mein liebes Tagebuch!
Heute hatte ich einen Termin zu einer Magnetresonanzuntersuchung meines rechten Knies.
Um 17 Uhr sollte ich zu der Untersuchung erscheinen. Also hatte ich am Nachmittag endlich einmal die Muße, mich um meine waidwunde Supermotard zu kümmern.
Du wirst verstehen, hierbei wollte ich nicht gestört werden. Darum hab ich kurzerhand mein Handy im Wohnzimmer gelassen. Wohl auch, weil ich in der Garage keinen Empfang habe.
Nachdem die ganzen Verschleißteile wie Verkleidung vom Krad montiert war, gelüstete es mich nach einem Kaffee. Dieser war aber in meiner Garage nicht zu bekommen, also zurück ins Haus um das braune Gesöff zuzubereiten.
(Gedankliche Notiz machen. Kaffeemaschine in Garage montieren.)
Wie zischend und brodelnd der Bohnensaft durch die Maschine lief, fiel mein Blick auch auf mein Handy.
17 Anrufe in Abwesenheit. Was? Ich war doch nur knapp ne halbe Stunde in der Garage. Wer rief mich in 30 Minuten 17 Mal an?
"Unbekannter Anrufer", Scherzkeksi, wen sollte ich also zurückrufen?
Du musst dir das mal auf der Zunge zergehen lassen. Mich ruft jemand, der unerkannt bleiben will, 17 Mal an, schafft es nicht auch nur eine Nachricht auf der Mailbox zu lassen.
Wie blöd können manche Menschen sein. (Diese Antwort klärte sich im laufe des Tages noch.)
"Ring Ring", das Handy klingelte wieder. Jetzt war ich gespannt.
Die Sekretärin des Radiologen war dran.
Erste Frage: "Herr Agnostiker, wo waren sie denn jetzt?"
Antwort: "Ich war beim Stepptanzen. Musste Michael Flatley vertreten, der hatte heute keine Zeit. Was geht sie das eigentlich an?"
Zweite Frage: "Ich rufe an, weil ich fragen wollte ob sie den Termin für ihre Knie MR................ Stepptanzen? Geht das überhaupt mit ihrem Knie."
Antwort: "Jaja, muss nur bei den Rückwärtssalti aufpassen. (Glaubte die das echt?) Worum geht es überhaupt?
Dritte Frage: "Könnten sie ihren Termin etwas vorverlegen?"
Antwort: "Auf wieviel Uhr?"
Vierte Frage: "15 Uhr 30, ginge das?"
Antwort: "Ja, bin schon auf dem Weg."
Also schnell Blaumann ausgezogen, unter die Dusche, Kasten nach frischer Kleidung geplündert und rein ins Auto.
Um 15 Uhr 28 war ich im Wartezimmer. Gerade noch so geschafft.
Doch was musste ich da vernehmen?
"Ach, es hat sich schon wieder relativiert. Der Termin um 15 Uhr 30 ist doch noch gekommen. Sie müssen eben noch ein wenig warten."
"Entschuldigen sie", herrschte ich die BLONDE Sekretärin an, "sie riefen mich insgesamt 18 Mal an um meinen Termin vorzuverlegen und schaffen es nicht mich ein einziges Mal zu benachrichtigen, wenn ich doch später kommen soll?"
Also wieder warten. Um 16 Uhr 15 kam ich dann dran. Ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen, mich auf einen Seziertisch legen und wurde dann ich eine große weiße Röhre gefahren.
Die Sekretärin drückte mir noch einen kleinen Luftballon in die Hand, für den Notfall wie sie sagte, setzte mir noch Kopfhöhrer auf, weil es ziemlich laut sein soll.
Dann war ich allein. Hier liegt man aber auch unbequem. Also mal ein wenig angenehmer hingelegt.
Und schon wieder ging die Tür auf. Die blonde Sekretärin kam zurück: "Sie dürfen sich nicht bewegen. Sonst sehen wir auf den Bildern nichts."
"Na das müssen sie mir aber auch sagen, Hellseher bin ich noch keiner."
Ich darf mich also eine halbe Stunde nicht bewegen. Na wenn das mal gut geht. Im Hintergrund stampfte das Röhrchen wie ein alter Schiffsdiesel. Ich war gespannt, auf was ich mich da gefasst machen kann.
Erstmal die Röhre genau begutachtet. Was steht da auf der Maschine, "Symphonie"?
Plötzlich begann diese "Symphonie". Das war wohl eher eine Kakophonie. Es krachte und schepperte, dass die Analogie zum alten Schiffsdiesel gar nicht so weit hergeholt schien.
Schnell den Notfallballon gedrückt, das krachen hörte auf, die Tür ging und die nette, immer noch blonde Sekretärin kam herein. Sie wollte wissen was los ist.
"Was los ist? Ihr Röhrchen scheint einen Defekt zu haben. Das Ding pfeift aus dem letzten Loch."
"Das ist schon ganz OK so. Das ist immer so. Drücken sie den Ballon bitte nur, wenn sie Platzangst oder dergleichen bekommen."
Die junge Dame verließ mich wieder, das Krachen kehrte dafür zurück. Ich lag da also. Halbnackt, wie Bruno Banani meine Unterwäsche schuf. Es wurde immer lauter. Mann ist mir fad. Nichts bewegen, der Lärm dazu, schon komisch welche Gedanken einem da durch den Kopf gehen.
Ob das Blondinchen durch den Lärm überhaupt hört, wenn ich einen Notfall habe?
Man weiß nie, was man nicht zuvor selbst versucht hat.
Also noch einmal, Notfallballon gedrückt.
Wie auf ein geheimes Signal hörte der Lärm wieder auf, die Tür ging und ich wurde angeherrscht: "Was ist jetzt schon wieder?!?"
Es scheint, als ob ich es wieder einmal geschafft habe. Die Rache für die 18 Anrufe zum Terminvorzug, und die eine, fehlende, ist mein.
Da kann man aber noch das Sahnehäubchen drauflegen.
"ÄHHH, mir ist fad. Vielleicht könnten sie mir eine Zeitschrift oder was ähnliches bringen?"
"Wie wollen sie die da drin überhaupt lesen? Wenn sie mich lange nerven, dann schnall ich sie auf dem Bett fest."
HÄHÄHÄHÄHÄ, der Sieg ist mein.
Bis zum Ende der MR kam sie noch zwei Mal zu mir rein. Mittlerweile war sie schon richtig sauer. Aber was solls, mir machte es Spass.
Als wir dann die Untersuchung doch noch hinter uns gebracht haben, fragte sie mich, ob ich immer so anstrengend bin.
"Nein, nur wenn ich mich für was revanchieren will. So wie für ihren Anruf zum Beispiel."
Die junge Dame wurde rot, fing zu zittern an und riss die Augen richtig weit auf. Ich sag dir was mein liebes Tagebuch, so ein Sieg hat etwas mystisches.
"Die Bilder senden sie mir bitte an die Uniklinik Graz, danke, und auf Wiedersehen."
Und raus war ich. Nicht ohne mein hinterhältiges Grinsen bis daheim aufgesetzt zu lassen.
Zuhause kam ich dann dahinter, dass ich vergessen hab die Kaffeemaschine auszustellen.
Kaffeekanne put, Kaffee in der Küche verteilt,
Ich denke, ich muss noch mal zur MR Untersuchung. Auch die Kaffeemaschine bedeutet einen Rachefeldzug.
Mal sehen.
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Agnostiker am 19.09.2005, 06:37, insgesamt 1-mal geändert.
“Im Verlauf dieses Prozesses habe ich Klarheit darüber gewonnen, daß die Haltung eines Agnostikers nicht intelligent ist.”
(Dr. Murad Wilfried Hofmann)
