Ich bleibe ohne ein weiteres Beweisbild bei meiner Aussage, dass es sich hierbei keinesfalls um Damaststahl handelt. Bestenfalls ist dieses Küchenmesser geschmiedet. Hab vor kurzem bei einem Seminar einiges darüber lernen dürfen.
Zur Erklärung:
Messer in Massenproduktion werden gestanzt und geschliffen.
Die nächst bessere Ausführung ist das Schmieden, wobei es dabei auch zu feinen Abstufungen kommt. Hierbei ist die Zahl der Hammerschläge entscheidend. Schmiedemaschinen können Druck von über 2000 Tonnen (echt jetzt) auf das Material ausüben. Dabei kommt es zu einer Gefügeverformung im Stahl, welche die Härteeigenschaften signifikant ändert.
Bei solchen Schmiedpressen ist eine Messerformgebung mit einem einzigen Patritzenschlag erledegt. Besser ist jedoch den Stahl händisch in Form zu bringen. (Mit Hammer und Amboß.) Dabei wird der Stahl noch besser bearbeitet.
Natürlich hat das aber auch seinen Preis. Handarbeit ist immer teuerer als Maschinenarbeit, wobei jedoch die Qualität nicht vergessen werden darf.
Die hohe Form der Schmiedekunst ist der Damast. (Oder auch DAMAS, ist nicht wirklich jemals geklärt worden.) Der Name geht auf die Damaszener zurück, die der Legende nach als erstes durch diese Schmiedebearbeitung aufgefallen sind. Man unterscheidet verschiedene Herstellungsarten. Bsp. den Wickeldamast, oder den hier erklärten Faltdamast.
Die Bearbeitung geht, grob umrissen, ca. so:
Eine Stahlzarge (Srahlblock) wird so lange flach gehämmert, bis der Schmied das ganze wieder zusammen falten kann. Danach wird die ganze Prozetur von vorne begonnen. Flach hämmern, falten, flach hämmern, falten, usw.
Jedes Mal wenn der Stahl gefalten und von neuem verschmiedet wird, verschweißen sich die Faltflächen.
Hat man jetzt die gewünschte Faltanzahl erreicht, so wird aus dem verschmiedeten Block das endgültige Messer geschmiedet. Nach dem Schmieden wird der Stahl glatt poliert und GEÄTZT. Das Ätzen ist dazu da, dass die Faltstruktur des Stahles zur Geltung gebracht wird. Sie "adelt" den Stahl sozusagen. Damaststahl muss gesehen werden. Faltdamast ist die höchste Kunst des Schmiedens-Messer machens. Erst wenn der Stahl bereits als fertiges Messer gilt, wird ganz klein wenig die Schneide geschliffen.
Der Vorteil dieser Schmiedemethode ist, dass sich das fertige Messer von selbst nachschärft. Ein weiterer, nicht zu unterschätzendere Vorteil wären die enormen Gefügeunterschiede die innerhalb des Stahles herrschen. Da der innere Kern, die Seele des Messers, am öftesten geschmiedet wurde, hat sie auch die größte Härte. Je weiter man nach Außen kommt, desto mehr nimmt die Härte ab.
Der innere Kern des Stahles weist eine Härte von über 60 HRC auf (ist eine Härtemessmethode). Zum besseren Verständnis: Der Stahl wird glashart. Wäre das ganze Messer so hart, so würde es, wenn es zu Boden fällt, wie Glas zerspringen.
Je härter also ein Stahl ist, desto verschleißfester ist er, desto leichter bricht er auch.
Damast lässt sich unter bestimmten Bedingungen auch industriell herstellen. Doch die Handarbeit ist immer noch das non plus ultra.
Hier noch zwei Bilder, die das ganze anschaulich zeigen. Das erste ist ein handgeschmiedeter Messerrohling um die 50 Euro.
http://www.wolf-borger-messer.de/Bilder/aso.JPGDas zweite ist ein Damastrohling um ca. 170 Euro. Schön zu sehen ist dabei die Faltstruktur, die im Bereich der Schneide an Jahresringe von Bäumen erinnert.
http://www.wolf-borger-messer.de/Bilder/aso-dam.JPGNachtrag: Hab soeben einen Messerpreis gefunden. Handgeschmiedetes Küchenmesser, 21 cm lang um 76,50 Euro. Küchenmesser, 21 cm lang mit 300 Lagen Damast um 831,25 Euro.