Hallo zusammen!
Hab ja schon ne Weile nichts mehr geschrieben, aber dann will ich mal wieder.
Die Rehkitze, von denen ich weiter oben erzählte haben es beide nicht geschafft und sind ein bzw. zweit Tage später gestorben. zwischenzeitlich hatten wir noch eine ganze Reihe mehr, bei vielen ist die Geschichte ähnlich. Das letzte ist heute Morgen gestorben, aber außnahmsweise mal nicht, weil der Mensch was falsch gemacht hat im Vorfeld. Es kam sehr abgemagert und unterentwickelt zu uns und hat es einfach nicht geschafft. Warscheinlich war die Mutter schon ein paar tage nicht mehr zum Säugen gekommen. Naja, aber immerhin haben wir jetzt 3 Rehe die auf einem guten Weg sind. Somit ist unser erstes nicht mehr alleine und die Chance es erfolgreich auswildern zu können steigt beträchtlich. Obwohl man sagen muss, dass wir es sehr gut geschafft haben, es recht scheu zu halten auch so lange es alleine war. Nur wenn es Hunger hat und man die Flasche schüttelt kommt es und verschwindet nach der Analmassage sofort wieder. Kommt man direkt danach ein zweites Mal in den Stall (Zb zum Wasserauffüllen) springt es panisch vor einem weg. Nunja, bleibt nur zu hoffen, dass die Bilanz bei den Rehkitzen nicht noch weiter ins negative rutscht.
Naja, ansonsten ist hier der übliche Sommerbetrieb: Das Telefon klingelt pausenlos und ständig wollen Leute arme, verwaiste Tierkinder "retten".
Unser Geier ist übrigens mit sehr hoher Warscheinlichkeit ein Wildtier. Früher dieses Jahr hatte eine Gruppe Gänsegeier aus Südwesteuropa mit günstigen Wetterbedingungen den Sprung nach Deutschland geschafft und halten sich nun in Thüringen und bei Celle auf. Unser Geier wird noch etwas aufgepäppelt und wird dann der Gruppe in Celle wieder angegliedert, in der Hoffnung dass er sich dieser anschließt. Sehr krass, wildlebende Geier mitten in Deutschland (mal abgesehen vom wieder angesiedelten bartgeier), und dann auch noch so ne riesen Viecher...immerhin bis 2,80m Spannweite. Unserer wiegt 9 Kilo, die können aber sogar bis zu 12 Kilo wiegen.
Wir haben gestern auch einen neuen Vogelexot bekommen der frei herumlief. Ein hübscher Pfau ists. Oh, und unsere vermeindlichen 4 Graugansküken haben sich nun als Kanadagänse entpuppt. Auch mal was anderes, sonst sinds immer Graugänse (bzw. "Klitschkos", aber das erkläre ich beim nächsten Eintrag...wird jetzt zu lang").
Tja, ansonsten springen die Eichhörnchen hier fröhlich über das Gelände und klauen sich das Futter weg wo es nur geht. Aber es werden schon weniger, einige sind wohl schon weitergezogen. Außerdem gibt sich eine kleine ausgewilderte Kohlmeise alle Mühe uns mit ihren Bettelrufen zu nerven - was ihr bei mir nicht gelingt

Denn man muss dazu sagen, dass wir uns alle sehr freuen über diesen Erfolg. Denn leider sind die Chancen bei Meisen nicht sehr groß, um nicht zu sagen verschwindend gering. Nur 90% der eingelieferten Jungmeisen schaffen es bis zur Auswilderung. Und leider ist das auch nicht nur ein Problem bei uns. Da man ja nie weiß, ob man nicht vielleicht doch was falsch macht, denn vernünftige Literatur und Erfahrungsberichte gibt es kaum, haben wir uns mit diesem Problem auch an ähnliche Institutionen gewandt..bei denen läuft es auch nicht anders.
Das kuriose und auch deprimierende an der Sache ist, dass sich die Tiere häufig anfänglich ganz gut machen: sie fressen gut, wachsen gut, beginnen herumzuflattern oder gar schon selbstständig zu fressen. Aber zwischendurch kippt plötzlich (häufig ohne Voranzeichen oder zumindest innerhalb von nur 1 oder 2 Stunden) eine von der Stange. Allen anderen gehts gut. Und den nächsten Tag wieder was ähnliches. Manchmal sind sie sogar so weit fortgeschritten und fit, dass wir sie schon in die Außenvoliere gebracht werden. Und selbst dort sterben sie völlig unerwartet. Und keiner weiß wieso.
Das ist absolut deprimierend. Man entwickelt einen richtige Hass auf Meisen die zu uns kommen, weil man davon ausgehen muss, dass die ganze Mühe eh fü den A**** ist. Also kümmert man sich nur widerwillig um die Vögel. Dann machen sie es doch wieder 3 oder 4 Tage und man lässt sich wieder davon einlullen und denkt "Oh, die schaffen es, die bekommen wir durch". Und dann drei Tage später kippt die erste um, nochmal 2 Tage später die nächste bis es doch wieder keine geschafft hat und man völlig vor den Kopf gestoßen ist.
Aber unsere kleine Kohlmeise hat überlebt und flattert nun schon seit Montag frei auf dem Gelände herum, pickt alles was sie finden kann und kommt immer mal wieder zu uns und zeigt mit ihrem Gebettel dass sie noch da ist. Deswegen finde ich es toll und es ist wirklich ein erhebendes Gefühl so ein Sensibelchen hochgebracht zu haben.
Tja, und die nächste Blaumeise sitzt schon im Jungtierraum. Zum Glück hatte ich bis jetzt noch nichts mit ihr zu tun..

Generell sind wir bei Meisen besonders strikt und versuchen den Leuten zu erklären, dass sie die Meise sitzen lassen sollen, wenn sie auch nur den Hauch einer Chance sehen das die Eltern noch füttern. Wir erklären dass sie lieber das Risiko eingehen sollen, dass das Tier von ihrer Katze erwischt wird, da die Chance das sie es nicht tut immernoch höher ist, als bei uns zu überleben, so traurig es ist.
so, ist ja doch noch recht lang geworden
lieben gruß
aj
"Nun ist mir ebensogut wie Ihnen bekannt, das der Mensch die Summe seiner Erlebnisse ist. Er ist faktisch das Produkt seiner Vergangenheit." (Amon Hater in "Sternendroge Tyrsoleen")