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Aus dem Leben eines Physikers

Warum ist die Banane krumm und der Himmel blau? Hast Du Dir auch schon öfters den Kopf über solche alltäglichen Fragen zerbrochen?
Dann Frage Doc Thork, hier wird Dir geholfen

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Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 14.08.2009, 15:27

Liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung.

Seit ihr zum letzten Mal etwas von mir gehoert habt, ist einiges an Wasser den geliebten Vater Rhein runter geflossen, wofuer ich mich in aller Form entschuldigen moechte.
Einer der Gruende fuer meine laengere Abwesenheit ist, dass einfach in meiner letzten Zeit am CERN nicht wirklich etwas interessantes passierte, was ich dringend mit euch haette teilen muessen.
"Am CERN ist nichts Interessantes passiert?" werdet ihr fragen. "Letztes Jahr haetten diese Typen noch fast die Welt zerstoert, und jetzt ist ihnen langweilig?" Und Recht haettet ihr, man sollte doch erwarten, dass wir alle tierisch beschaeftigt gewesen waeren, moeglichst bald Quark- und Plunderteilchen zur Kollision zu bringen. Weit gefehlt. Denn wer seine Arbeit richtig macht, und rechtzeitig, der hat bei einer solchen Verzoegerung nichts mehr zu tun.
Und so kam es, dass euer lieber Doc Thork sich etwa ein halbes Jahr lang die A****backen wundgesessen hat, und dabei keine grosartige Wissenschaft rumkam. Aber das soll sich jetzt alles aendern. Doch dazu muss ich etwas ausholen:

Eigentlich ist Physiker ein Lehrberuf, genau wie Muellmann oder Taxifahrer auch. Nun, wir lernen etwas laenger. Aber ob das daran liegt, dass wir mehr zu lernen haben, oder dass wir langsamer sind als der typische Muellmann, ist mir noch nicht ganz klar. Wie dem auch sei. Nachdem wir unsere Gesellenpruefung abgelegt haben, die Promotion, begeben wir uns, wie jeder ehrlich Handwerker, erstmal auf Wanderschaft. Bei den Handwerkern wird diese auch Tippelei oder Walz genannt, bei uns heisst das PostDoc. Man zieht, mehr oder weniger ziellos, durch die wissenschaftliche Landschaft und versucht, sich einer Daueranstellung wuerdig zu erweisen. Zum Glueck muessen wir dafuer keine filzenen Schlapphuete tragen...
Manche wandern dafuer laenger und weiter als Andere, aber kaum einer schafft es, sich vor der Wanderung zu druecken. Und so zieht eine Armee von PostDocs durch die Lande, immer auf der Suche nach dem heiligen Gral der Festanstellung.
Einer dieser ungezaehlten (denn zahllos sind sie nun wirklich nicht) wandernden Muellmaenner, aehm Physiker, ist euer Doc Thork. Die erste Station meiner Wanderung war Dortmund, von wo aus ich stehenden Fusses zum CERN zog, die naechste ist jetzt die Universitaet Goettingen.
In der "Stadt, die Wissen schafft" (nicht meine Idee) bot sich die unglaubliche Chance, nicht nur mit meinem ehemaligen Betreuer wieder zusammen zu arbeiten, sondern das ganze auch noch fuer vier Jahre zu tun, was fuer uns WanderDocs eine lange Zeit ist. Und so entschloss sich der Doc, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und gleich auch alte Gewohnheiten wieder aufleben zu lassen, indem er sich in dieser erhabenen Runde mal wieder blicken laesst.

Als ich nun so darueber nachdachte, was es denn so zu berichten gaebe, vielen mir doch einige Anekdoten ein, die mich zwar einiges an Nerven kosteten (bzw. immernoch tun), dafuer aber wenigstens der allgemeinene Erheiterung dienen koennen. Also haltet die Augen offen nach den Geschichten 'Aus dem Leben eines Physikers'...
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Naschkatze » 14.08.2009, 15:35

ich arbeite auch in Göttingen, aber nicht an der Uni ... aber vllt sieht man sich ja mal, wenn ich doch noch ein Abendstudium anfangen sollte
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 14.08.2009, 16:02

Freut mich mal wieder was von dir zu hören!
Schade, dass du nicht mehr am CERN bist, wie soll ich denn jetzt bei meinen Physikerkollegen mit insider Infos angeben?! Nächstes Mal denk bitte nicht nur an dich ja? Danke! :rofl3:

An welcem Projekt arbeitest du denn nun in Göttingen? erzähl ma was.

gruß,
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Agnostiker » 14.08.2009, 20:02

Lieber Doktor Thork. Auch ich kann mich nur der Meinung von Jamo anschließen. Äußerst egoistisch von dir einfach so vom CERN zu gehen. Wer baut mir jetzt meinen Motor? Hast du daran schon mal gedacht? Vermutlich nicht.
Ich bin fast menschlich enttäuscht von dir. Zuerst versaust du mir den Weltuntergang und dann auch noch mein revolutionäres Antriebssystem.
Das verlangt nach Strafe. Ich hab auch schon die Richtige für dich. Du wirst von nun an brav hier posten und keinesfalls länger als 14 Tage abwesend sein.

Ja genau, so muss eine Strafe aussehen. Und ehe ich es vergesse: SCHÖN, DASS DU WIEDER DA BIST.
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Kinski » 15.08.2009, 18:56

Man muss ja nur ein wenig zwischen den Zeilen lesen und dann wird wohl jedem klar werden WER für den Totalausfall von CERN verantwortlich ist. :wink:
Ciao,
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 15.08.2009, 23:02

Aber, aber meine Lieben. Nur keine Angst, ich habe (und kann) dem CERN nicht total den Ruecken gekehrt. Ernsthaft, CERN ist wie Kaugummi unterm Schuh (um jetzt kein unappetitlicheres Beispiel zu verwenden): Man wird's einfach nicht los...
Auch in Zukunft, um genau zu sein naechste Woche, werde ich zum CERN fahren, um dort meine Schichten beim Betrieb des Detektors abzuleisten. Es ist naemlich so, dass jeder, der auf der ATLAS Autorenliste stehen will (und das wollen wir alle, wenn das Higgs entdeckt wird), eine bestimmte Anzahl an Schichten uebernehmen muss.

Dabei faellt mir ein: Ich koennte ja mal etwas ueber das Higgs Boson schreiben.
Diejenigen unter euch, die aufmerksam die Berichterstattung um die Aktivitaeten am CERN letztes Jahr verfolgt haben, werde vielleicht den Begriff 'Gottesteilchen' schon mal gehoert haben. Und bevor jetzt irgendjemand hier religioes fanatische Sermen (ist das die Pluralform von Sermon?) loslaesst: Das ist nur ein provokativ gewaehlter Name, ich weiss nichtmal wer sich das ausgedacht hat (wuerde fast auf meinen Freund Dan Brown tippen...). Um diesen Namen zu erklaeren, muss ich allerdings etwas weiter ausholen (manche werden das von mir schon kennen, Jamo wahrscheinlich auch von seinen Tutoren).
Bei uns Physikern ist es so, dass wir alle im Grunde stinkend faul sind. Wir wollen uns immer moeglichst wenig merken. Deshalb versuchen wir staendig, verschiedene Sachen unter einen Hut zu bringen: Elektrizitaet und Magnetismus (Elektro-Magnetismus), Aepfel die zur Erde fallen und Himmelskoerper die sich um einander bewegen (Gravitation), Wasser und Eis (Aggregatzustaende), Erdbeeren und Bananen (Obst). Nur Erdbeeren und Eis ist den Italienern zuerst eingefallen...
Dasselbe versuchen wir auch, mit den vier fundamentalen Kraeften der Natur: Elektromagnetismus, startke und schwache Kraft (die eine haelt Protonen und Neutronen zusammen, die andere ist fuer Radioaktivitaet verantwortlich) und die Gravitation (die macht Haengebaeuche und andere Koerperteile). Es ist uns schon gelungen, zu zeigen, dass einige dieser Kraefte dasselbe sind, nur unterschiedlich aussehen (genau wie Elektrizitaet und Magnetismus das gleiche sind). Jetzt versuchen wir, alles unter einen Hut zu kriegen. Das waere dann sowas wie die 'Theorie von Allem' oder die Weltformel, ueber die man (serioese) Wissenschaftler allerdings selten wird sprechen hoeren. Diese Begriffe gehoeren wieder in Dan's Genre.
Eine Theorie, die wir haben und die bisher (seit 30 Jahren) perfekt funktioniert, ist das sogenannte Standardmodell. Der Name sagt nicht viel darueber, wie's funktioniert, aber es beschreibt die Welt in vielen Einzelheiten. Der Knackpunkt jeder Theorie ist ihre Vorhersagekraft, muesste es etwas geben, was ich bisher nicht kenne und was ich messen kann? Und alle Vorhersgaen des Standardmodells waren bisher richtig.
Alles wunderbar, warum machen wir trotzdem keinen Urlaub? Es gibt ein paar kleine Probleme mit dem Standardmodell. Eines davon ist, dass eigentlich alle Teilchen, aus denen Materie zusammengesetzt ist, keine Masse haben sollten. Wer aber morgens schon mal auf die Waage steigt sieht, dass das nicht der Fall ist. Ich bestehe zum Beispiel aus speziellen, extra schweren Teilchen. Meint ihr, das glaubt jemand? Aber lassen wir das...
Um dieses Dilemma zu loesen, hat ein cleverer Englaender namens Peter Higgs sich einen Mechanismus ausgedacht, der den Teilchen Masse geben wuerde. Wie's genau geht wuerde diesen eh schon zu langen Beitrag sprengen, aber im Wesentlichen wirkt eine weitere Kraft auf die Teilchen, was es schwerer macht, sie zu bewegen. Und wer mal Masse hatte weiss, dass dies genau einer der Effekte der Masse ist. Man kommt nicht mehr so leicht aus dem Sofa, ans Laufen zu kommen braucht viel mehr Kraft, und so weiter.
Auch hier muss natuerlich wieder eine Vorhersage her, und zum Glueck klappt das: Laut dem Higgs Mechanismus (den nennen wir wirklich so) muesste es ein weiteres Teilchen geben, das Higgs Boson, das wir bisher nicht gefunden haben. Und jetzt kommt der groesste Zufall von allen: Der LHC waere genau in der Lage, dieses Higgs Boson zu entdecken, wenn es es denn gaebe (denn bisher ist das nur eine Theorie, die nicht falsifiziert ist).
Das ist der heilige Gral der LHC Physiker. Manche werden zwar sagen, dass sie nach was anderem suchen: Supersymmetrie, Extradimensionen, dunkler Materie usw. Aber alle sind sich einig, dass die Entdeckung (oder eben nicht) des Higgs Bosons eine der garantierten Leistungen des LHC ist. Und deshalb wollen alle auf der Veroeffentlichung stehen, die das Higgs nachweist oder fuer immer ausschliesst. Und deshalb muessen alle hin und Schichten schieben. Und deshalb werde ich in naechster Zeit nicht wirklich vom CERN wegkommen.
Und deshalb gehe ich jetzt zu Bett...
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 18.08.2009, 14:23

Heute moechte ich euch eine Anekdote erzaehlen, die sich zutrug, waehrend ich am CERN war.
Wie ihr ja wisst, war ich bei einer deutschen Universitaet angestellt und wurde von dieser in regelmaessigen Abstaenden, etwa alle zwei Monate, auf Dienstreise zum CERN geschickt, die jeweils etwa zwei Monate dauerte. Das ist ein netter Trick, den die Universitaeten spielen, damit sie ihre Billiglohn-Sklaven, also Leute wie ich, etwas besser ausnutzen koennen. Was mag der gute Doc damit wohl meinen?
Wenn man sich mal das deutsche Reisekostengesetz etwas genauer ansieht, wird man relativ schnell feststellen (so man etwas aktive Gehirnmasse mitbringt), dass es nicht erlaubt ist, Dienstreisen zu unternehmen, die laenger als sechs Monate waehren. Wenn ein laengerer Aufenthalt im Ausland, und entgegen landlaeufiger Meinung ist die Schweiz genau dieses, von Dienst wegen angestrebt wird, so ist der Dienstherr, also die Uni, dazu verpflichtet, den Reisenden zu 'entsenden'. Das ist ein von der normalen Dienstreise zu unterscheidender Mechanismus, da zum einen der Personalrat dagegen Einspruch erheben kann (aber Wissenschaftler lassen sich fuer gewoehnlich nicht vom Personalrat vertreten), zum anderen hat das Auswirkungen finanzieller Art. Da in diesem Falle der Dienstort nicht mehr die Uni ist, sondern der Ort, zu dem man entsandt wird, kann man von der Uni fordern, den Umzug zu zahlen. Wenn man seinen Lebensmittelpunkt (in Deutschland ist das ein rechtlicher Ausdruck) zuhause hat, kann man regelmaessige Familienheimfahrten bezahlen lassen, und so weiter. Wie ihr seht, ist das aus Sicht der Uni nicht besonders erstrebenswert.
Da man aber den lieben Doc doch ganz gern am CERN haben wollte, 'um Praesenz des Institus zu zeigen', musste ich also alle zwei Monate eine neue Dienstreise beantragen und abrechnen. Eigentlich haette ich wahrscheinlich per Tankquittung einer deutschen Raststaette zeigen muessen, dass ich zwischenzeitlich wirklich in Deutschland war. Da die Pauschale, die ich bezog, allerdings solche Fahrten bis nach Basel nicht beinhaltete, sah ich keinen Grund, Zeit, Sprit und Nerven dafuer zu investieren. Ebenso wie Ago im Zusammenhang mit seinem Motarrad, hatte ich mich dummerweise der Hoffnung hingegeben, und glaubte, selbst wenn das irgendwie auffloege, wuerde die Uni hinter mir stehen. Das tat sie tatsaechlich, nur war mir nicht klar, wie weit...
Hier ist die Idee: Da ich ja ueber den Arbeitgeber auf der Dienstreise versichert bin und immer schone meine Krankenkasse bezahle, kann mir also nichts passieren.
Hier ist die Realitaet:
Wie ihr ja schon wisst, lag ich binnen kurzer Zeit mit Rueckenschmerzen darnieder. Nachdem das schon das zweite Mal war, und ich mich wirklich nicht bewegen konnte, entschloss ich mich schweren Herzens, mich den schweizer Aerzten anzuvertrauen. Und das ist noch der gute Teil der Geschichte. Ich bekam meine Medikamente (Und was fuer welche. Mit den Schmerzmitteln kannst du fliiiegen...), bekam ein Rezept fuer ostheopathische Behandlungen (das ist ein Physiotherapeut, nur besser) und nach dem ganzen Tammtamm ging's mir denn auch besser.
Wenn die Schmerzen langsam nachlassen, faengt man allerdings an sich zu ueberlegen, woher man das Geld fuer die Rechnungen zurueck bekommt. Also flugs bei der Uni angerufen und gefragt. Und damit ging's los. Zuerst verhandelte ich mit einem Menschen aus dem Dezernat fuer Personal. Nachdem er auf meine unschuldige Frage erstmal wochenlang nicht reagierte, bekam ich ihn nach einschalten meines Chefs dazu, sich mit einem Sachbearbeiter der DAK zu unterhalten, waehrend ich mich selbst mit meiner TKK unterhielt. Es kam, wie es kommen musste: DAK sagt 'Uni muss nix zahlen', TKK sagt 'Uni muss zahlen'. Unentschieden. Das ging so ein paar Wochen hin und her, bis ich genug davon hatte und die Rechnungen der TKK sandte.
Hier muss man dazu sagen, der Unterschied ist: Wenn die Rechnungen an die Uni gehen, erstattet diese mir meine vollen Auslagen und holt sich das Geld von der Krankenkasse zurueck. Wenn ich die Rechnungen selbst an die Krankenkasse schicke, bekommen ich was ich in Deutschland bekommen haette (etwas weniger als in der Schweiz), und gut iss.
Nun ja, leider hatte die TKK inzwischen verstanden, dass ich auf Dienstreise war und interpretierte das Sozialgesetz so, dass doch die Uni die Rechnungen weiterleiten muss. Also schickten sie mir meine schoenen Rechnungen postwendend zurueck, was mich beinahe wegen eines akuten Anfalls von Mordlust in den Knast gebracht haette...
Also schicke ich die Rechnungen (im Original versteht sich) an die Uni und schicke eine Mail hinterher (an alle plus meinen Chef), dass sie unterwegs seien. Bekomme sogar eine Antwort, in der steht, dass mein Sachbearbeiter jetzt erstmal fuer vier Wochen in Kur geht, sich danach aber ohne Aufforderung darum kuemmert.
Vier Wochen spaeter...
Sechs Wochen spaeter: Nachdem ich nochmal nachgefragt habe, worauf ich an die vier Wochen Abwesenheit erinnert werde, stellt sich heraus, dass meine Rechnungen nicht aufzufinden sind (erneut setzt die BILD schon einen Artikel ueber Amoklaeufer am CERN, der nur mit knapper Not zurueckgehalten wird). Also faxe ich die Kopien, die ich mir vorher von zuhause (Deutschland) habe schicken lassen, an die Uni und bekomme wieder eine Empfangsbestaetigung. Das war vor gut drei Monaten.
Irgendwann danach kommt eine Mail, dass der Vorgang an das Dezernat fuer 'Tarif- und sonstige Beschaeftigte' gegeben wurde, die sich umgehend daruem kuemmern.
Gestern frage ich nach, werde von einer voellig neuen Sachbearbeiterin auf die Urlaubszeit hingewiesen, die mich gleichzeitig bittet, doch eine Kostenaufstellung zu machen, um die Bearbeitung zu beschleunigen. Ich gehe also meine Kopien der Rechnungen durch und schicke ihr die Daten, die natuerlich gross auf den Rechnungen stehen nochmal zu. Mal sehen, was jetzt passiert.

Fuer alle, die inzwischen den Ueberblick ueber den zeitlichen Ablauf der Geschichte verloren haben, hier nochmal die Eckdaten:
1. Krankenhausbesuch: Juli 2008
1. Anruf Uni: August 2008
letzte Zusicherung, dass alles gut wird: August 2009!
Nachricht, dass mein Brief mit den Rechnungenn zurueckgekommen ist, weil Empfaenger nicht ermittelt werden konnte: heute (etwa 6 Monate nach entsenden des Briefes)

Jetzt werdet ihr sicherlich fragen: Was will uns der Autor damit sagen?
Antwort: Niemals darauf verlassen, dass irgendwer dem Muellman hilft!
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon kisslab » 18.08.2009, 21:21

tja.. dann solltest du mal nach dem "beamtenbeschleunigungsteilchen" forschen
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 18.08.2009, 23:10

Das ist ja echt ne Freichheit, wozu zahlt man eigentlich die Beiträge?^^
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Naschkatze » 21.08.2009, 16:56

so ist das mit der deutschen bürokratie ... kennt ihr denn nicht baumann & clausen?
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 05.09.2009, 23:16

Liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung.

Wie ihr euch sicher vorstellen koennt, legt man als fahrender Muellmannsgeselle den ein oder anderen Kilometer zurueck. Vor kurzem
zum Beispiel war ich wieder mal am CERN und auf der Fahrt mit der Bahn habe ich wieder erlebt wie es ist, das Leben in vollen Zuegen
zu geniessen. Ich wollte was darueber schreiben, was man so an Leuten trifft, wenn man sieben Stunden lang nichts besseres zu tun hat,
als in der Gegend rumzustarren. Es haette Kommentare zu den Verspaetungen der Bahn gegeben und wie selbst eine Viertelstunde zum
Umsteigen knapp kalkuliert ist. Oder ueber den voellig ueberteuerten Instant-Kaffe, der fuer mich zu einem persoenlichen Luxusgut wurde.
Darueber, wie man nervoes wird, wenn der Zug auf offener Strecke bremst, weil das normalerweise stundenlange Verspaetungen bedeutet,
und wie die wichtigen Geschaeftsleute sich dann schnell und laut aufregen, bevor sie zum Handy greifen und irgendjemandem sagen, dass
sie zu spaet kommen werden. Viele, viele Kilometer an Zuggeschichten.
Frischer in Erinnerung ist mir aber die Autofahrt am Freitag von Goettingen zu meinen Eltern, deshalb werde ich darueber schreiben...
Jeder, der regelmaessig lange Strecken auf der Autobahn zuruecklegt, wird sich wahrscheinlich in den naechsten Zeilen wiedererkennen,
denn jeder, mit dem ich bisher ueber diese Fahrten gesprochen habe, hat nur wissend mit dem Kopf genickt. Aber das heisst nicht, dass
ich es nicht trotzdem schreibe, denn nur noch auf der Autobahn sieht man den Deutschen, wie er wirklich ist. Da wird die Fassade der
Zivilisation genauso leicht weggewischt, wie damals beim Herrn der Fliegen. Da wird hemmungslos geflucht, denn die Autobahn ist einer
der letzten Orte, wo man Leute noch beschimpfen darf, wenn sie etwas Dummes tun. Hier braucht man sich nicht dafuer zu schaemen, dass
man nur an sich selbst denkt, denn die Leute um einen herum tun das ja genauso. Das einzig Erschreckende daran ist, wie schnell es geht,
dass man jegliche soziale Kompetenz ueber Bord wirft. Bei mir dauert es typischerweise vom Parkplatz bis zur zweiten Ampel. Manchmal
nicht mal so lange...
Gerade ist mir ein weiterer Vergleich eingefallen. Das Leben auf der Autobahn hat erschreckend viel vom alten Testament. Richtig gehoert,
die Bibel. Da kann man wirklich alles finden, von der Sintflut (es hat geregnet am Freitag abend), ueber 'Auge um Auge, Zahn um Zahn'
(du troedelst vor mir, ich draengle) und den verlorenen Sohn (den da hab ich doch vor einer Stunde schon ueberholt), bis David gegen
Goliath (erhebendes Gefuehl, mit einem 1,4 Liter Polo einen Porsche zu ueberholen).
Man lernt auch einiges ueber sich selbst. Ich sehe regelmaessig, dass ich im Auto wohl ein Arsch sein muss, wenn ich mir anschaue, wie
ich ueber Leute schimpfe, die genauso schnell fahren, wie ich. Kennt ihr das? Das Schlimmste ist, dass die einen immer aufhalten, wenn
man den Berg runter Schwung holt, um den naechsten Berg wieder ho zu kommen, man sie aber auch nicht ueberholen kann, ohne viel zu hoch
zu drehen. Schrecklich! Man sieht auch wieder die Herden-Natur des Menschen. Wenn genuegend Leute vor einem anfange zu bremsen, bremst
man lieber auch. Koennte ja sein, dass die was wissen, was man selbst nicht weiss.
Es gibt auch faszinierende Phaenomene zu beobachten, die zwar nicht in mein Fachgebiet fallen (weil es typischerweise nicht darum geht,
zu beschleunigen sondern zu bremsen), die aber wissenschaftlich sicher hoch interessant sind. Eines davon ist die Entsteheung von Staus.
Diese Woche stand ich in einem Stau, den ich darauf zurueckfuehrte, dass etwas weiter auf der Strecke eine Baustelle war, wo die Fahrbahn
verengt wurde. Ok, kann man verstehen. Da muss man zwar nicht unbedingt eine halbe Stunde stehend verbringen, aber es haette ja auch einer
eine Panne gehabt haben. Etwas spaeter stellte sich dann raus, dass es wohl nur ein Stau zum Andenken an die Baustelle war, die irgendwann
in den letzten Wochen abgebaut worden war. Diese Erkenntnis wurde dann von einem akuten Schimpfanfall gefolgt, was fuer Neurologen sicher
Forschungsfutter ist. Was man als Soziologe an Raststaetten lernen koennte, muss ich wohl nicht naeher ausfuehren. Das kennt doch jeder,
wenn man nur schnell seinen naechsten Toilettenbon abholen will und zur selben Zeit eine Senioren-Reisegruppe ankommt und saemmtliche
Gaenge verstopft...
Gerne wuerde ich abschliessend schreiben, dass wenn man denn doch irgendwann ankommt alles Gut wird. Aber ich muss morgen wieder zurueckfahren...
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon kisslab » 06.09.2009, 10:47

thork.. du hast mein tiefstes mitgefühl..
Spass muss sein!
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 07.09.2009, 19:31

Hehe, ja, die Autobahn. Genau so gehts da ab ^^
Stauentstehungen sind echt interessant. Die entstehen aus dem NICHTS, das ist schon faszinierend (dachte es gäb sowas wie Energieerhaltunf :rofl:).

A pro pos physik, thork. Ich finde du könntest etwas zur neuen Revolution, der Entdeckung magnetischer Monopole kundtun :)
ich hab mir 2 Artikel durchgelesen, aber nicht so ganz verstanden, nur im Groben...

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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 07.09.2009, 20:40

Magnetisches Monopoly? Als Reisespiel?
Mag ich nich', da verlier ich immer...

Erzaehl mal mehr, Jamo, hab ich bisher noch nichts von gehoert.
Zuletzt geändert von Thork am 07.09.2009, 20:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 07.09.2009, 20:40

Und da ich etwas langsam bin, hab ich die Antwort zweimal geschickt...
Kann man eigentlich seinen eigenen Beitrag nicht loeschen???
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 07.09.2009, 21:47

Du hast noch nichts davon gehört? Das ging ja sogar bei uns Physikstudenten schon die Runde *g*
#1
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 08.09.2009, 08:25

Ich weiss nicht so recht, was ich davon wirklich halten soll. Die Erklaerung, die in den Artikeln gegeben wird, hoert sich nach einem plausiblen Argument der Theoretiker an und wenn das im Experiment gemessen wird, fein. Ich habe mich nicht wirklich mit der Messung auseinander gesetzt, nachgeschaut, ob die angebliche Entdeckung wirklich statistisch signifikant ist, und ob die Fehler vernuenftig abgeschaetzt sind.
Was ich mir etwas naeher angesehen habe, sind die Quellen.
Hier faellt auf, dass diese Meldungen meist ueber online Physik-Magazine verbreitet werden. Dieser Scienceblog Artikel ist sehr suspekt, zumal er von einem Juelicher Physiker mit einem etwas duemmlichen Grinsen geschrieben ist, der ueber Ergebnisse redet, die natuerlich in Juelich mitgewonnen wurden. Der ganze Artikel hoert sich sehr persoenlich an, nicht nach einer wissenschaftlichen Veroeffentlichung. Und wann waere es schonmal vorgekommen, dass ein Wissenschaftsreporter, denn das scheint der Kerl zu sein, einen allgemeinverstaendlichen Artikel ueber ein topaktuelles Ergebniss schreibt? Zunaechst kommen da dutzende Paper, die nur die Experten verstehen, bevor irgendjemand sich die Muehe macht, sowas Otto Normalphysiker zu erklaeren.
Dass man einen aehnlichen Artikel auf pro-physik findet, die immerhin von der DPG betrieben wird, gibt da wieder ein wenig Glaubwuerdigkeit. Andererseits scheint es nur eines der beiden Paper auch nur auf arxiv.org geschafft zu haben, wo alle Publikationen hingehen, inklusive solcher, die nicht von objektiven Referenten reviewed werden. Das aber schon am 6. Juli. Warum hat man davon noch nichts gehoert?

Alles in allem weiss ich noch nicht, was ich von der Sachen halten soll. Da ich ausserdem kein Festkoerper-Physiker bin, habe ich auch keinen Einblick, wie diese Untergruppe auf diese angebliche Entdeckung reagiert hat, was einen guten Einblick geben wuerde, wie glaubhaft das ist.
Der Doc empfiehlt: Zuruecklehnen, die Maxwell Gleichungen erstmal nicht aus allen Buechern reissen, und bei ein bis siebzehn Kaffee abwarten, was weiter passiert.
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 08.09.2009, 15:26

Ja, mittlerweile gehen meine Gedanken irgendwie in die gleiche Richtung. Sehr erstaunlich, dass man so wenig davon hört, obwohl es in einigen seriösen Blogs veröffentlicht wurde. Vll ist es jaa uch die Ruhe vor dem Sturm, es wird nochma ganz genau nachgeprüft oder whatever. Ich bin gespannt wsa draus wird ^^


Edit: Wie läuft denn die Reparatur des LHC?
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Thork » 10.09.2009, 21:26

Apropos Themen, von denen man wenig hoert, was?

Soweit ich das sehe, sind alle verhalten zuversichtlich, dass der LHC dieses Jahr laeuft. Und zwar noch vor Silvester.
Die aktuelle Planung ist, Mitte November erstmal ohne große Beschleunigung erst die beiden Strahlen alleine kreisen zu lassen und dann im Dezember die ersten Kollisionen zu machen. Wann genau dann die Energie auf 3.5 TeV pro Strahl gebracht werden soll, weiss ich nicht, aber damit werden wir dann in 2010 laufen. Ende des naechsten Jahres soll dann auch noch ein Run mit Schwerionen folgen, dann haben erstmal alle Experimente zu tun.
Irgendwas ist ja immer...
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Re: Aus dem Leben eines Physikers

Beitragvon Jamo » 10.09.2009, 21:46

Dann bin ich auf jeden Fall gespannt, ich erwarte Insider Infos zum Angeben ;)
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