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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 10.09.2009, 23:32 
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Eigentlich spannendes Thema, aber wenn ich von Einheiten wie "Elektronenvolt" lese, möchte ich am liebsten wieder aufhören zu lesen. Das ist unser aktuelles Thema in Physik.. Fotoelektrischer Effekt, Gegenspannungsmethode, Franck-Hertz-Versuch,... und Montag gibts die Klausur dazu

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 11.09.2009, 00:07 
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Jaa, is doch gar kein Thema ;)
wenn du Fragen hast, sagste Bescheid!

Ich hab morgen mündliche Prüfung.. aaaaaaahh
Über angewandte Physik. Ziemlich cooles Fach eigentlich. LTI Systeme, Arbeitsspeicher weiß ich jetz wie der funzt, Festplatten, Flash, Glasfaserkabel etc.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 11.09.2009, 08:56 
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Morgen morgen oder heute morgen? Wenn man sich die Zeit deines Eintrags ansieht wird das nicht ganz klar.

Wie dem auch sei: Viel Erfolg.

Auch wenn Rechner Hardware weiter von Physik entfernt ist, als alle anderen angewandten Faecher, von denen ich bisher gehoert habe...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 11.09.2009, 11:31 
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Heute heute :)
Samstags leg ich mir keine mündliche Prüfung ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 11.09.2009, 23:20 
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Liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung.

Am Montag ist es endlich wieder soweit: Ich werde wieder auf Studenten losgelassen.
Ich werde eine Gruppe von Studenten waehrend eines Elektronik Praktikums betreuen. Da sollen die Kleinen lernen, wie Dioden, Transistoren und operationsverstaerker funktionieren. Wozu muss man sowas wissen? werdet ihr fragen. Naja, die meisten Physiker kommen doch in ihrem Leben nicht ganz darum herum, mal etwas zu messen (auch wenn es einige immer weiter versuchen...). Und da hilft es doch, zu verstehen, was eigentlich ein Oszilloskop zum Beispiel tut oder wie ein Amperemeter auf den Wert kommt, den es gerade anzeigt. Oder wie man einen bistabilen Multivibrator baut. Und das ist nur ein normaler Blinker. Jetzt stell euch erstmal ein Buegeleisen oder etwas aehnlich kompliziertes vor...
Aber eigentlich sollte es ja darum gehen, dass ich endlich mal wieder die Chance habe, junge Geister zu formen und in ihnen die Freude an der Physik zu wecken. Oder ihnen zumindest ins Gesicht sagen zu duerfen, wie dumm sie sich wieder mal angestellt haben. Ich habe schon wieder viel zu lange niemanden mehr so richtig fertig gemacht! Es ist so erfrischend und befreiend, jemandem zu sagen, dass er selbst schuld ist, dass ihm ein Elektrolytkondensator um die Ohren geflogen ist, weil er oder sie rote und schwarze Kabel vertauscht hat. Oder dass sie das boese Monster Strom in die Finger gebissen hat, weil man die Griffel eben nicht von unisolierten Draehten weglassen konnte.
Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Als ich am CERN war habe ich mir ueberlegt, mir Dieters beste Sprueche rauszusuchen. Habe sogar mal nachgesehen, aber der Typ hat ja eigentlich auch groesstenteils auf eher niedrigem Niveau beschimpft. "Du hast einfach nichts drauf, außer vielleicht Zahnbelag." ist da noch einer der besseren, obwohl schon einige Tausend Jahre alt...
So schoen es auch ist, sich vorzustellen, man wuerde wirklich so mit Studenten reden, will ich ja den armen Jamo nicht zu sehr aengstigen.
Aber ich freue mich wirklich darauf, wieder mit Studenten zu arbeiten. Es ist zwar fuer mich auch ein Vollzeitjob, habe in den letzten zwei Tagen nichts anderes getan, als mich auf zwei Versuche vorzubereiten, aber wenn man eine gute Gruppe hat, interessiert und gut vorbereitet, dann lohnt es sich, die Zeit zu investieren. Und ich sage denen auch wirklich, wenn sie sich dumm anstellen. Aber ich bin da eigentlich noch nicht hart genug. Am Anfang eines solchen Versuchs wird erstmal festgestellt, ob die Leute ueberhaupt wissen, was sie zu tun haben. Aufgrund dieser Abfragen mache ich meine Noten, und da versuche ich doch meist, zumindest irgendwas aus denen rauszukriegen. Auch wenn dann die Abfrage mal eine Stunde dauert. Beim letzten Mal hatte ich dann allerdings zwei Jungs, die den Versuch schon einmal wegen schlechter Vorbereitung nicht durchfuehren durften und auch diesmal nicht das geringste wussten. Und dann besassen die auch noch die Frechheit, mich zu beschuldigen, ich wuerde sie subjektiv bewerten und es waere ja nicht fair, dass sie alleine genauso lange abgefragt wuerden, wie sonst acht Leute. Nachdem wir dann bis zum betreuenden Professor gegangen waren, haben sie aber auch gelernt, dass der liebe Doc Thork immer Recht hat.
Das Gute dabei ist, dass die Jungs und Maedels das noch akzeptieren koennen. Bei den Pappnasen, mit denen man sich sonst rumschlagen muss, frage ich mich manchmal, ob gesunder Menschenverstand extra gekostet haette. Wir kennen das doch alle: Man redet mit irgendjemandem ueber irgendwas und derjenige vertritt eine Meinung, bei der man sich fragt, ob er sich selbst ueberhaupt selbst zuhoert. Und warum, zum Geier, man selbst weiter zuhoeren muss. Und dann faellt einem wieder ein, dass das der Chef ist, oder irgendein Senior-Kollege oder sowas. Schon aergert man sich wieder ein Loch in den Schuh und wuenscht sich sagen zu koennen: 'Wer bist Du denn ueberhaupt? Sprich mit der Hand, ich mache es einfach jetzt mal richtig.'

Und damit ich mich auch nicht blamiere, werde ich mich wohl jetzt noch eine wenig mit dem Bipolaren Transistor rumschlagen muessen. So ein Scheiss. Dafuer werden sie leiden, MUAHAHAHH...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 12.09.2009, 09:02 
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Mein lieber Onkel Doktor, ich beneide dich. Du bekommst die Möglichkeit die Jugend optimal auf ihr weiteres Leben und Wirken vorzubereiten. Doch muss das unbedingt mit Beleidigungen und Demütigungen von Statten gehen?
Kurze und prägnante Antwort: JA!
Dafür gibt es mehrere Gründe. Jung zu sein ist nichts anderes als eine faule Ausrede und beinhaltet in sich selbst bereits das Eingeständnis: "Ich bin blöd und hab es verdient." Warum? Nun, die Intelligenz hat nichts mit dem Alter zu tun. Sie ist in der Tat altersunabhängig. Wären also deine Schüler intelligent genug in einer Lige mit, na sagen wir Moshe Kai Cavalin oder Mozart zu spielen, dann wären ihnen deine gerechten Beleidigungen erspart geblieben. So aber verdienen sie dein Trommelfeuer. In ihrem weiteren Leben dürfte es ihnen nicht anders ergehen. Mehr noch, der Eine oder Andere trägt sicher bereits jetzt Anlagen in sich, die ihn zu einem würdigen Preisträger, nein, nicht des Nobelpreises, sondern des Darwin Awards machen.
Und wenn du das dann richtig machst, so Drill-Sergeant Full Metal Jacket-mäßig, wirst du bald zwei Effekte erkennen.
1) Die, die das nicht aushalten werden das Handtuch werfen. Das nennt sich natürliche Selektion und ist für die Gesamtheit deiner Schülerschaft gut.
2) Die Anderen werden härter lernen, weil sie es hassen täglich von dir als Blindschleichen enttart zu werden. Sie bekommen so eine wichtige Lektion fürs Leben mit: Die, die aufgeben, verdienen es nicht. Jene, die ihren Weg konsequent bis zum bitteren Ende durchgehen, sich nicht um Rückschläge, die bekanntlich immer in die Fresse gehen, scheren, sind zukünftige Gewinner.

Gut, es kann natürlich auch sein, dass dich das Schicksal von Hartman trifft. Deine Schüler werden zwar nicht mit einer Knarre auf dich los gehen (es sei denn, es handelt sich um die Schüler, die das Handtuch geworfen haben), doch es ist Vorsicht angebracht, wenn deine Studenten anstelle eines Bipolaren Transistors einen elektrischen Stuhl basteln.
Doch wie sagt Dr. Thork immer so trefflich:

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“Im Verlauf dieses Prozesses habe ich Klarheit darüber gewonnen, daß die Haltung eines Agnostikers nicht intelligent ist.”
(Dr. Murad Wilfried Hofmann)
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 12.09.2009, 10:04 
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Thork hat geschrieben:
Da sollen die Kleinen lernen, wie Dioden, Transistoren und operationsverstaerker funktionieren.
[...]bistabilen Multivibrator
[...]Bipolaren Transistor


Ja, guck ma. Und da sag ma meine Angewandte Physik war nicht angewandt. Das kann ich jetzt auch alles ;)
Warum benutzt mann denn Bipolare Transistoren und keine CMOS Dinger? Hab jetzt gelernt, die sind geiler, aber verstärken nich so stark, oder?

Bin übrigens nur so gerade durch mit meiner 4.0 .....
So ein Scheiß. Total unfaire Prüfungen, bei der man zu Anfang Karten zieht und entweder Glück hat oder Pech mit den Themen. Mein Kollege vorher hat so beschissen gezogen wie ich, 2 schlechte 1 gutes Thema. Das eine schlechte war so lala, das andere schlechte auch, aber er hat gesagt ohne dass man LTI Systeme gut kann, besteht man die Prüfung nicht... Da is nix mit gleicher Gewichtung der drei Bereiche...
Und dann wurd der auch noch sauer wenn man was nich wusste, ohje...
Sollte ich ihm erklären wie man bei der GMR (Riesen Magnetowiderstand) den Magnetowiderstand eines Materials misst.
Ich wusste es nicht, hab ich ihm auch gesagt (weil er letztes Mal meinte ich will ihn verarschen als ich was nicht wusste und mir was ausgedacht hab :? ) und dann gings los. Holt er ne kleine Probe und meinte (in welcher Einheit auch immer) das Ding sei so und so stark. (kp was er meinte). "Wie misst man jetzt den Magnetowiderstand?"
Hab ichüberlegt, dachte ich mir, leg ich mal nen äußeres Magnetfeld an oder so. Er steht auf, geht zur Pinnwand, nimmt so nen Magneten, legt den auf die Probe "Und jetzt?"
OMG
Kein Plan :roll:
Naja, daran hat er mich so gefühlte 3 Stunden, vermutlich waren es 5 Minuten, dran aufgehängt. Und mich dann danach aus der Prüfung entlassen um mich nicht weiter zu quälen^^.
Naja, 4.0 ... so ein Scheiß...

Anderer Kollege zieht 3 super geile Karten und kommt mit ner 1,7 raus, ich krieg echt zu viel...

Gruß

ps: Ja, Praktikum is schon ne feine Sache. Da bereitet man sich (maximal) beim essen in de rMensa drauf vor *g*
Aber jetzt kommt das fortgeschrittene Praktikum, da wird das wohl bissl härter wenn man so 60 - 70 Seiten bekommt zum Vorbereiten :puker:

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 05.11.2009, 22:52 
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Wie war das mit dem Vogel und dem Stück Brot?

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 02.12.2009, 18:45 
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Hallo liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung.
Lange habt ihr schon wieder nichts von eurem Doc Thork gehoert, wofuer ich mich entschuldigen muss. Es war einfach etwas hektisch in letzter Zeit.
Nachdem ich damit fertig war, unschuldige Studenten zur dunklen Seite der Physik zu verfuehren, hatte ich gefuehlt ueberhaupt keine Zeit, bevor ich auf meine naechste Konferenz fahren musste.
Nun ist es ja mit den Konferezorten so eine Sache bei Physikers. Manche sagen uns zwar nach, wir wuerden den ganzen Tag nur ueber die Arbeit reden, doch um mit anderen Physikern darueber zu reden, suchen wir uns schonmal gerne exotische Orte aus. So war ich ja zum Beispiel dieses Jahr schon auf der insel Elba, wo man nicht nur hervorragend kleine franzoesische Generaele gefangenhalten kann, sondern wo es auch ein paar schoene Fuenf-Sterne-Hotels gibt, wo man Vortraege halten und es sich in der vierstuendigen Mittagspause auch mal gutgehen lassen kann.
Da ich ja, wie ihr wisst, dieses Jahr den Arbeitgeber gewechselt habe und die Uni Goettingen moeglichst ueberall vertreten sein muss, habe ich das Angebot bekommen, zu einer weiteren internationalen Konferenz zu fahren. Um das nicht voellig sinnfrei auf Kosten der Uni zu tun, habe ich mir in letzter Sekunde noch einen Vortrag organisiert. Somit muss ich jetzt kein schlechtes Gewissen haben euch zu sagen, dass ich dafuer eine Woche in Orlando, Florida verbracht habe...
"Und wie war's" werdet ihr fragen (wenn ihr mich nicht gerade zum Teufel wuenscht).
Kalt war's!
Ja, ihr habt richtig gelesen: Kalt. Die Amis lieben ihre Klimaanlageneinfach ueber alles. Wo unsereins sich freut, dass draussen mal 30C herrschen, kuehlt der Ami ruecksichtslos seine Raeume, und wenn diese ein Tuer nach draussen haben, eben auch die Umgebung im Umkreis von 20m, einfach mal auf 18C ab. Kein Wunder, dass so ziemlich alle Europaer sich in den ersten Tagen kraeftig erkaeltet haben. Natuerlich hatte ich das nicht bedacht und nur kurze Hosen und Hemden mitgebracht. Ich musste mich somit aus reiner Selbsterhaltung, zwischendurch an den pool setzen, um nicht zu erfrieren. Man hat es eben nicht leicht...
"Orlando? Das ist doch wo Disney World ist". Richtig!
Genau genommen ist die ganze Stadt quasi Disney World. Es gab einfach kein Entkommen. Ueberall prangte der beliebte Schriftzug. Entsprechend Walt's Vorstellungen war dann auch die ganze Umgebung auf heile Welt geeicht. Ichhabe noch nirgendwo erlebt, dass der Gruenstreifen am Highway staendig wie frisch gemaeht aussah.
Disney World selbst hat mich nun nicht wirklich begeistert, ich muss jedoch zugeben, dass es ein unvorstellbarer ingenieursmaessiger und organisatorischer Aufwand sein muss, diese riesigen Themenparks funktionsfaehig und sauber zu halten. Wahrscheinlich arbeiten da aehnlich viele Leute, wie tagtaeglich zu Besuch kommen.
Was mich jedoch mehr beeindruckt hat, war der Ausflug zum Kennedy Space Center. Man darf naemlich nicht vergessen, dass, bevor Disney kam, das Sumpfland da noch guenstig war und sich die NASA da auch den ein oder anderen Quadratkilometer angeschafft hat.
Den Besucher erwartet hier eine faszinierende Mischung aus High-Tech Installationen (waehrend meines Besuchs wurde gerade ein SpaceShuttle auf der Startrampe beladen, der Start der Ares Testrakete war erst zwei Tage her...), Naturpark (5000 frei lebende Alligatoren, Delphine, Weisskopf Seeadler, Manitis, etc.) und Konsumtempel (natuerlich kann man kiloweise Memorabilia erwerben). Ich muss sagen, dass ich diesen tag sehr genossen habe. Leider war er gleichzeitig auch das Highlight der Konferenz, welche mich thematisch leider nicht sehr ueberzeugt hat. Aber irgendwas ist ja immer.

Nach diesem Ausblick auf Konferenzen bei Physikern, werde ich euch demnaechst von meinem erneuten Besuch am CERN berichten, wo wir Messungen an deren Teilchenbeschleuniger gemacht haben. Das war noch weniger erfreulich, da es auf etwa 80 Arbeitstunden pro Woche fuer drei Wochen hinauslief...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 02.12.2009, 23:24 
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da fährt man jeden tag nach gö und wartet an deinem auto um sich hinein zu stürzen und mit zu den konferenzen zu fahren und dann schleichst du dich einfach weg während ich auf dem klo bin :mad: wenn ich dich morgen erwische ...

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Der einzigste Unterschied zwischen Männern und kleinen Kindern ist der Preis des Spielzeugs.


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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 03.12.2009, 19:37 
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Liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung,
wie ihr sicherlich schon meiner Lieblingsquelle für wissenschaftliche Fakten, der BILD Zeitung, entnommen habt, hat der LHC vorletzte Woche die Arbeit aufgenommen. Seit gestern hat er auch seinen eigenen Rekord eingestellt, für die längste Operationsdauer. Letztes Jahr war der Beschleuniger nach neun Tagen dem verhängnisvollen Unfall zum Opfer gefallen, heute lief er noch nach zehn Tagen. Auch wenn es vorgestern Nacht wohl einen 18kV Trafo dahingerafft hat, was für das ATLAS Experiment nicht sehr angenehm war, so sind solche kleineren Zwischenfälle zu erwarten und relativ leicht zu beheben.
Dieses Wochenende wird es dann für mehrere Tage Kollisionen bei der niedrigsten Energie geben, die der LHC kann, nämlich ohne jede Beschleunigung bei 900 GeV. Wenn der Strahl stabil genug ist, kann evtl. sogar der ATLAS Pixel Detektor, mein Baby, zum ersten Mal eingeschaltet werden und wir können endlich Daten mit dem vollen Experiment nehmen.
Aber keine übereilte Vorfreude. Auch wenn der LHC für jeden einzelnen seiner zwei Protonenstrahlen schon einen neuen Weltrekord bei der Energie aufgestellt hat, 1,18 TeV pro Strahl (das ist etwas mehr als die Strahlen bei der Konkurrenz, dem Tevatron in Chicago), werden wir noch keine hochenergetischen, möglicherweise apokalyptischen, Kollisionen sehen. Diesmal überwiegt der gesunde Menschenverstand und die Leute wollen die Maschine erstmal systematisch testen, bevor sie weiter Rekorde jagen. Für euch bedeutet das, dass die Weltuntergangstaschen noch bis Anfang nächsten Jahres im Schrank bleiben können.
Trotzdem eine hervorragende Leistung der Ingenieure und Wissenschaftler, die Maschine in so kurzer Zeit (ich rede über die nicht ganz zwei Wochen Strahlzeit) schon in einem so guten Maße verstanden zu haben, Strahlen nicht nur für mehr als 8 Stunden stabil halten, sondern sie auch noch zur Kollision bringen zu können. Ganz großen Respekt...

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 07.01.2010, 01:49 
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Wie immer, sehr interessant deine Ausführungen Thork.
Hab den LHC auch ein wenig verfolgt natürlich in letzter Zeit und auch die Pressekonferenz gesehen die es gab, als es los ging. Very interesting.
Bin gespannt wie es so weitergeht.

gruß,
Manu

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 07.01.2010, 23:23 
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Zitat:
die Maschine in so kurzer Zeit schon in einem so guten Maße verstanden zu haben,

Hmm.. das klingt so, als ob euch ausserirdische das Ding da hingestellt aber die Bedienungsanleitung vergessen hätten und ihr nun rausfinden dürft wie es funktioniert.

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Spass muss sein!
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 12.01.2010, 18:02 
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Naja, bei den Dimensionen weiß ja auch einfach kein Mensch wie genau eine solche Maschine reagiert. Im Prinzip ist der Vergleich also nicht soo verkehrt

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 02.03.2010, 11:30 
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Liebe Freunde der wissenschaftlichen Unterhaltung.
Heute hat euch euer freundlicher Physiker aus der Nachbarschaft mal wieder ein Thema mitgebracht, welches von allgemeinem Interesse sein duerfte: der Weltuntergang!
"Schon wieder?" werdet ihr euch fragen. "Den haben wir doch ueberlebt." Aber denkste. Heute will ich euch ein wenig von einem Phaenomen erzaehlen, ueber das fast ebensoviele Missverstaendnisse existieren, wie schlechte Katastrophenfilme: einen Sonnensturm...
"Klar, kennen wir alles. Das ist, wenn die Neutrinos ploetzlich mit Materie wechselwirken. Dann faengt in Indien an, das Wasser zu kochen. War letztlich noch im Kino." Falsch und richtig. Falsch im Bezug auf Neutrinos, Erdbeben und Verschiebung der Erdkruste um tausende Kilometer, richtig bzgl. des Termins. (Fuer die, die auf die Mahnungen anderer gehoert haben und sich einen schlechten Film ersparten: Ich rede von 2012)

Wie man vielleicht schon gehoert hat, gibt es auf der Sonne Flecken. Die ist ja auch schon 4.5 Milliarden Jahre alt, da kriegt man schonmal Altersflecken (fragt nur mal Ruebi). Diese Flecken sind Zonen erhoehter Aktivitaet auf der Sonnenoberflaeche. Aus solchen Flecken werden zum Beispiel grosse Mengen Materie ins All geschleudert. Das tut die Somne immer und auf ihrer ganzen Oberflaeche, aber eben verstaerkt in den Flecken. Das nennt man den Sonnenwind. Nun durchlaeuft die Anzahl der Sonnenflecken periodische Schwankungen, alle elf Jahre gibt es ein Maximum. Nachdem, laut manchen Quellen, die Sonnenaktivitaet in den letzten Jahren sehr gering war, erwarten manche, man koennte sie von realistisch bis verrueckt nennen, ein besonders starkes Maximum im Jahre 2012.
"Da ist diese Jahreszahl wieder. Hatten die Mayas doch Recht?" Dazu kommen wir spaeter. Lasst mich erstmal erzaehlen, was ich in einer kurzen Recherche ueber die Auswirkungen eines massiven Ausstosses solarer Materie, Sonnensturm, gelernt habe.
Die ausgestossene Materie wird um Normalfall vom Erdmagnetfeld abgelenkt und kann, durch ein paar Mechanismen, die mir selbst etwas schleierhaft sind, an den Polen des Magnetfeldes bis in die Atmosphaere vorstossen, wo sie die Aurora Borealis, das Nordlicht, hervorrufen. Dieses findet rund um die Erde, entlang der Breitenkreise statt. Wenn jetzt der Sonnenwind besonders stark ist, kann dieses Nordlicht-Band bis in niedrigere Breiten vorstossen. Es wurde sogar schon ueber Hawaii gesehen. Ausser, dass ein paar Surfer vom Brett fallen, richtet das Nordlicht aber keinen Schaden an. Was man nicht sehen kann ist, dass auch ein elektrischer Strom durch die Atmosphaere fliesst, ebenfalls entlang der Breitengrade. Da der Sonnenwind zeitlich fluktuiert, er ist nicht immer gleich, koennen diese, sich ebenso aendernden Stroeme wiederum Spannung in den Stromleitungen ueber oder nahe der Oberflaeche induzieren. Und das ist boese. Das kann durch Ueberspannung dazu fuehren, dass zum Beispiel Trafos in Kraftwerken zerstoert werden, mit allen verbundenen Folgen: Dunkelheit, Kaelte, Massenpanik (und die ist das gefaehrliche daran).
So geschehen in Quebec in 1989, wo fuer geschlagene 9 Stunden der Strom weg war.

Also ein nicht zu vernachlaessigendes Thema, wie man kuerzlichen Studien im Auftrag der NASA sieht, jedoch nicht wirklich der Weltuntergang. Soviel zu den ersten zehn Minuten meiner Recherche.
Wenn man nun aber etwas weiter sucht, foerdert die meistgenutzte Suchmaschine im Netz jede Menge Seiten zu Tage, die sagen wir wissenschaftlich weniger Glaubwuerdig sind, sich dafuer aber enger an den Kalender der Mayas halten. Diese 3000 Jahre alte Hochkultur war eine der ersten, die sich mit Astronomie beschaeftigten. Wenn sie gerade keine Menschen opferten um ihre Goetter zu besaenftigenm, was zeigt, wie sehr sie ihrer eigenen Wissenschaft vertrauten. In ihren spaeteren (letzten) Tagen machten sie Schlagzeilen, indem sie sich tierisch von den spanischen Conquistadores uebers Ohr hauen liessen. Wahrscheinlich haben die alten Mayas geahnt, dass ihre Nachkommen nicht die Hellsten wuerden, deshalb haben sie sich nicht die Muehe gemacht, ihren astronomischen Kalender uebermaessig lang zu machen. Der hoert jetzt also zufaellig in 2012 auf. Damit das Ganze nicht zu willkuerlich aussah, haben sie ans Ende nochmal ein Schmankerl gesetzt, irgendeine tolle Sterkonstellation.

Auftritt: der gemeine Weltuntergangsprophet.
Nachdem wir nun diverse Vorhersagen Nostradamus' und anderer grosser "Propheten" ueberlebten (z.B.den Milleniumsbug) musste was Neues her. Da kann man doch eine solche Konstellation, auf der Strasse kennt das Wort sowieso keiner, nehmen, sie auf galaktische Groessenordnungen aufblasen (kann keiner widerlegen oder sich auch nur vorstellen) und daraus alle moeglichen Effekte ableiten (hinterfragt naemlich dann keiner mehr). Und so gibt es Buecher und Internet Foren, die sich gegenseitig aufschaukeln. Dene zufolge wird die galaktische Konstellation einen "Synchronisierungsstrahl" (sowas wie ein "Laser") hervorrufen, dessen emotionalen (!) Effekt man jetzt (2 Jahre vorher!) schon daran spuehrt, dass die Jugendlichen und die Kollegen immer unfreundlicher werden. Eine Erkenntnis, die es uebrigens schon in der aegyptischen Hochkultur gab. Das diese Leute allerdings ueberhaupt die Erfahrung machen, dass Leute unfreundlich zu ihnen sind, kann ich nicht verstehen. Ich bin zu denen immer extra freundlich. Man weiss ja nie was passiert, wenn sie sich endgueltig von der Realitaet verabschieden.
Was mich auch ein wenig ueberrascht, ist das scheinbare Fehlen eines Erloeserkultes. Oder haben die Zeugen Jehovas die reserviert?

Wie ihr seht, kann man von der Sonne also nicht nur Hautkrebs kriegen, aber wenn in eurem Neutrinodetektor zuhause ploetzlich das Wasser kocht, erstmal nachsehen, wo der Tauchsieder abgeblieben ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 02.03.2010, 12:19 
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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 29.03.2010, 22:33 
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Morgen früh, gegen 7 Uhr, ist es soweit. Der LHC wird die ersten Teilchenpakete mit einr Gesamtenergie von 7 Tera-Elektronenvolt zur Kollision bringen. Das ist zwar nur die Hälfte der geplanten Energie, aber es reicht immernoch, um den Rekord der Höchsten jemals von Menschen gemachten Energie von Elementarteilchen, zu setzen. Ab morgen kann das Tevatron einpacken!
Wie schon beim ersten Einschalten des LHC in 2008 hat das CERN Journalisten aus aller Herren Länder eingeladen, um live über diesen denkwürdigen Moment zu berichten. Und zwar hat man gefordert, dass die Journalisten ab 2 Uhr heute nacht vor Ort sein sollen, denn die Vorbereitungen sond über Nacht geplant mit dem Höhepunkt der Kollisionen an den vier Punkten im Ring, wo Detektoren stehen, morgen gegen 7 Uhr. Das ist insofern eine Verbesserung gegenüber dem letzten Mal, als einem dann wenigstens zu einer vernünftigen Arbeitszeit nicht diese ganzen Presseheinis zwischen den Füßen rumlaufen. Ich glaube, ich hatte meinem Frust beim letzten Mal Luft gemacht...

Was aber passiert nun, um es mit den Worten meiner Großmutter zu sagen, "wenn am Dienstag der Urknall kommt"?
Nun, wahrscheinlich nicht viel. Ich nehme an, auch dieses Mal wird es wohl nichts mit dem schwarzen Loch, dass die Erde verschluckt. Um dessen ganz sicher zu sein, kann ich jedoch nur empfehlen, regelmässig auf dieser, von Experten betriebenen Webseite den Status zu checken: http://hasthelargehadroncolliderdestroyedtheworldyet.com/
Ich fürchte jedoch, Ago muss auch dieses Jahr noch seiner Liebsten ein Geburtstagsgeschenk besorgen. Nur zur Sicherheit werde ich mir allerdings morgen früh die Ohren zu halten. Wegen Urknall und so...

Für die Mutigen unter euch (und die an Schlaflosigkeit Leidenden), die sich das ganze live ansehen wollen, wird es Webcasts auf http://webcast.cern.ch/lhcfirstphysics/, mit Streams aus dem Kontrollraum des ATLAS Experiments unter http://atlas.ch.

Viel Spass dabei und gute Unterhaltung wünscht
Euer Doc Thork

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 30.03.2010, 19:12 
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Und wir leben immer noch..
ist aber auch kein Verlass mehr auf die Weltuntergangspropheten..

Aber wer mal sehen möchte wie es denn aussehen könnte wenn es doch mal ein nichtfarbiges Löchlein gibt,
dem lege ich mal den Film "The Black Hole" ans Herz (auch wenns absoluter Quark ist was sich Hollywood da ausgedacht hat). Zufinden über einschlägige Internetseiten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 30.03.2010, 23:02 
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Ich hab mir ab heute morgen beim Lernen die Streams gegeben. Sehr geil, dass es endlich geklappt hat. Auch wenn es zwei Mal nicht geklappt hat weil das Sicherungssystem eingesprungen ist. Naja, Fehler gefunden und behoben ne ;)
War schon cool das so über nen Stream mitzuverfolgen.
Leider wollten das wohl einige und gerade um 13 Uhr rum war es mehr Stand als Bild oder Video ^^

Warst du auch da Thork?

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus dem Leben eines Physikers
BeitragVerfasst: 31.03.2010, 22:59 
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Nee, ich war nicht da. Ich hatte auch zu viel zu tun, als dass ich mir den ganzen Tag diese Streams angeschaut hätte. Kann ich mir auch relativ langweilig vorstellen...
Nun ja, ich habe diesen Presserummel damals beim ersten zirkulierenden Strahl gegeben und war alles andere als beeindruckt. Ich denke, die Jungs und Mädels, die die Daten jetzt analysieren sind doch wesentlich aufgeregter, als diejenigen die die Maschinen gebaut haben. Ich weiss ja, dass mein Detektor funktioniert. Für den sind die 7TeV nix besonderes...
Da sieht man die unterschiedlichen Prioritäten, die es sogar innerhalb derselben Arbeitsgruppe geben kann.

Für mich bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die wirklichen Weltuntergangspropheten jetzt einsehen, dass es nicht gefährlich ist. Es scheint noch vor Kurzem sehr massive und ernst genommene Androhungen körperlicher Gewalt, angeblich sogar Morddrohungen, gegen unseren Horst, den Generaldirektor des CERN gegeben zu haben.
Nicht zuletzt ist daran natürlich die reisserische Schlagzeilenmache der einschlägigen Medien schuld. Ich glaube, ich werde in nächster Zeit mal eine Hitparade erstellen...

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