von Agnostiker » 25.01.2006, 16:31
Mein liebes Tagebuch...............
Stell dir vor im Forum hat man gedacht ich hätt dich vergessen. Ja da sind sogar einige der Meinung, ich würd mein Tagebüchlein hängen lassen. Das klingt mir doch sehr stark nach "umgekehrter Psychologie". Gemein hin wirkt so etwas nicht auf mich. Darum sollte ich die Meinung der fünf respektieren und nichts mehr hier rein schreiben.
Wäre da nicht der liebe Thork, der mich so freundlich gebeten hat weiter zu machen, ich hätt dich wirklich geschlossen.
Aber na gut, ich will mal nicht so sein.
Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, beim Uhrschauen.
So weit ich mich an meinen Physikunterricht erinnere, kann niemand mit Gewissheit sagen, wie es in einem "schwarzen Loch" tatsächlich aussieht.
Also ich kann das sehr wohl. Denn ich war in IKEA. Dort steht die Zeit still, und das ist auch ganz logisch. Denn schwarze Löcher sind deshalb schwarz, weil sich deren Gravitation nicht mal das Licht entziehen kann. Warum und wieso, das ist technischer Kram. Das kann Thork sicher besser erklären.
Im inneren eines schwarzen Loches herscht Null-Zeit. Sie vergeht einfach nicht. Ich kann das beweisen. Drei Mal sah ich auf die Uhr, die Zeiger bewegten sich nicht. (Nun, vielleicht ist auch nur meine Batterie alle gewesen. Aber daran glaub ich nicht.)
Fakt ist: Im "IKEA schwarzem Loch" steht die Zeit still.
Du stellst dir vielleicht dir Frage, wie etwas, das so dynamisch ist wie Zeit, so mir nix dir nix einfach aufhören kann zu existieren.
Auch das ist ganz einfach erklärt. Wenn du auf deine Uhr schaust, so siehst du nicht die Uhr, sondern das Licht, das von der Uhr reflektiert wird und auf deiner Netzhaut aufschlägt. Was passiert aber, wenn du dich plötzlich mit Lichtgeschwindigkeit von dieser Uhr weg bewegst. Dann kann das nächste Lichtteilchen deine Netzhaut nicht mehr erreichen und du bist mit dem Eindruck des letzten auf dir aufschlagenden Lichtteilchens unterwegs. Die Zeit steht also für dich still.
Man kann das auch noch weiter führen. Nachts siehst du ja auch die Zeiger der Uhr nicht. Darum steht auch nachts die Zeit still. Und was ist es Nachts? Genau, finster, schwarz.
Somit habe ich mit einfachen Worten bewiesen, dass in einem schwarzen Loch explizit gesagt bei IKEA die Zeit still steht. Das alles hat Albert bei einem IKEA Besuch mit Frau Einstein festgestellt. (Ich glaube Thork reißt sich nun alle Haare einzeln aus.)
Aber weiter im Bericht. Alle anderen Abteilungen kannst du getrost unter "alles angrabschen und überall Probesitzen abhaken". Schon dachte ich das schlimmste überstanden zu haben. Doch leider hab ich da das elfte Gebot vergessen, welches da lautet: "Du sollst dich nicht täuschen".
Wir kamen also zum Dekomaterial. Genau hier begegnen wir wieder Newton und seiner Gravitatsionstheorie. Nur dass plötzlich meine Freundin alle in ihrem Dunstkreis gelangende Dekomaterialien, weil ja allesamt Masseärmer als meine Freundin, anzog. Es war grausam zu sehen, wie sich langsam aber stetig der Einkaufswagen mit Kerzenhalter, Plastikdosen, Dekosand und andere Gegenstände, die sie immer schon haben musste füllte.
Lass mich ein wenig zur Architektur eines IKEA Möbelhauses abschwenken. In allen Abteilungen sind sämtliche Durchgänge schmal und Platzsparend angelegt. In allen, bis auf die in der Dekoabteilung. Diese wird nämlich von einem breitem Mittelgang dominiert. Warum aber ist das so? Die Antwort ist ganz einfach. Im breiten Mittelgang werden die Männer mit ihren Einkaufswagen geparkt. Es ist lustig zu beobachten, immer stehen mindestens drei Männer mit ihren Einkaufswagen ganz dicht an die Sonderangebotsschütten gedrängt. Dort sehen sie mit mitleidserweckenden Blicken auf ihre Frauen. Das aber hilft nichts. Frauen kennen da kein Mitleid. Aus Fräulein Jeckyl wurde das unbeugsame Monster Hyde. Diese Metamorphose geht binnen Sekundenbruchteilen von statten. (Sie kann aber auch Stunden dauern. Denn wie gesagt, bei IKEA hat die Zeit keinerlei Bedeutung.)
Es kam so wie es kommen musste. Meine Freundin parkte auch mich zwischen zwei wartenden Männern. (Ihren funkelnden Blick werd ich wohl nie vergessen. Jetzt noch läuft es mir, bei dem Gedanken daran, eiskalt den Rücken hinunter.)
Ich weiß nicht mehr wie lang ich da stand, doch in der Zwischenzeit konnte ich mich drei mal rasieren.
Wenn du jetzt denkst, dass ja irgendwann der Einkaufswagen voll sein muss, dann hast du die Rechnung ohne meine Freundin gemacht. Denn entweder ist ein IKEA Einkaufswagen ein multidimensionales Gerät, in dem alles, ich meine wirklich alles verstaut werden kann, oder meine Freundin ist ganz einfach ein Ordnungsgenie, dass selbst Platz in der kleinsten Ecke findet.
Aber irgendwann ging es dann doch weiter. Endlich raus aus der Dekoabteilung und rein in .......... OH MEIN GOTT, die Grünzeugabteilung. Hier noch einmal das selbe. Langsam spürte ich, wie der Wahnsinn sich meiner bemächtigte.
Ich meine, Grünpflanzen sind toll, aber meine Freundin besitzt so etwas wie den pechschwarzen Daumen. Ihr geht einfach alles ein. Mittlerweile hatten wir so um die 20 Liebeslocken (die Pflanze sieht aus wie ein genetisch mutierter Schnittlauch, schmeckt aber leider nicht wie einer), alle starben einen schnellen Tod.
Aber wir versuchen es immer wieder, obgleich das Ergebnis schon von vornherein feststeht. (Die Liebeslocken, die wir an dem Tag kauften, liegen längst schon auf dem Müll.)
Endlich, endlich war es geschafft. Die Kasse war erreicht. Dort zeigte ich mit artigem Lächeln meine neu erworbene IKEA Family Karte her, bekam eine Papiertüte und durfte dafür über 300 Euro bezahlen (inkl. Bücherregal).
Die Schwägerin legte noch einmal 200 € für ihren Melkschemel, pardon, Stillsessel, und das angehäufte Dekomaterial hin, was mich in die einzigartige Lage versetzte Waren im Werte von 500 Euro ganz alleine zum Auto zu tragen.
Und was die Zeit angeht: Für meine Freundin verging bei IKEA kaum ein Augenblick. Die reale Welt jedoch war der festen Meinung, dass mehr als vier Stunden vergangen sind.
Wahrhaft ein schöner IKEA Ausflug, der seinen Abschluss bei "Bellaflora" fand. (Übertöpfe für die zum Tode verurteilten Liebeslocken.)
Zurück waren wir um ca. 19 Uhr, was bedeutet, dass wir einen ganzen Tag brauchten um ein einziges Bücherregal zu kaufen, womit ich eindeutig den Beweis erbrachte: Ich liebe meine Freundin.
“Im Verlauf dieses Prozesses habe ich Klarheit darüber gewonnen, daß die Haltung eines Agnostikers nicht intelligent ist.”
(Dr. Murad Wilfried Hofmann)
